Resilienz

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Jenseits von Rollen und Theaterspiel

Führungskompetenz - Der Kern des eigenen Wesens

© andrys lukowski-Fotolia.com 

Führungskompetenz, lässt sich nicht wie eine Theaterrolle einstudieren. Nur wer sein Selbst, seinen Wesenskern maßgeblich einbringt, kann erfolgreich führen. Frei von äußerem Erwartungsdruck und frei von dem Druck, erfolgreich sein zu müssen. Authentisch, klar, innovativ, begeisternd und kreativ gestaltend. Und mit und durch Vertrauen. Vertrauen aus einem sicheren und starken Selbst. Wer sich selbst vertraut, kann auch anderen vertrauen und ihnen Gestaltungsfreiräume geben. So funktioniert Führung 4.0! Führungskräftecoaching kann zukunftsorientierte Führungskräfteentwicklung begleiten. Zurück zum...

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Jenseits von Rollen und Theaterspiel

Führungskompetenz - Der Kern des eigenen Wesens

© andrys lukowski-Fotolia.com 

Führungskompetenz, lässt sich nicht wie eine Theaterrolle einstudieren. Nur wer sein Selbst, seinen Wesenskern maßgeblich einbringt, kann erfolgreich führen. Frei von äußerem Erwartungsdruck und frei von dem Druck, erfolgreich sein zu müssen. Authentisch, klar, innovativ, begeisternd und kreativ gestaltend. Und mit und durch Vertrauen. Vertrauen aus einem sicheren und starken Selbst. Wer sich selbst vertraut, kann auch anderen vertrauen und ihnen Gestaltungsfreiräume geben. So funktioniert Führung 4.0! Führungskräftecoaching kann zukunftsorientierte Führungskräfteentwicklung begleiten. Zurück zum authentischen Selbst und dadurch stärkend. Gewissermaßen „Back tot he Roots“.  

Gesunde Selbstliebe

Eine Klientin, die erstmalig eine Führungsaufgabe übernommen hat, hat Ängste und Zweifel, den Anforderungen in dieser Rolle nicht gerecht werden zu können. Sie ist sich sehr unsicher. Im Verlauf unserer Sitzungen sagt diese Klientin unglaublich kluge Sätze. Sätze, die mir zeigen, dass sie ein reifes, starkes und sicheres Selbst hat. Etwas sehr Entscheidendes für beruflichen Erfolg, insbesondere für Führungserfolg. Wie immer im Coaching, vermischen sich berufliche und private Themen. Mir fällt auf, dass ihre klugen Sätze überwiegend ihr privates Umfeld thematisieren. Dort ist sie offenbar selbstsicher und von einer gesunden Selbstliebe getragen.

Beispielsweise sagt sie:

„Ich weiß, dass ich ein liebenswerter Mensch bin. Nicht jeder muss das auch so sehen.“

„Niemand muss mich glücklich machen und ich kann niemanden glücklich machen. Dafür ist jeder selbst verantwortlich.“

„Ich habe nie die Erwartung an eine Beziehung gehabt, dass ich sie "hinkriegen" muss.“

Frei von Angst vor Scheitern, sicher ihrer selbst und frei von dem Anspruch, es anderen recht machen zu wollen, zeigt und lebt sie ihr Selbst. Das, was ihr Wesen im Kern ausmacht.

Rollenwechsel – Berufliche Selbstzweifel

Ganz anders ihre Äußerungen zu ihrer beruflichen Situation. Da sagt sie beispielsweise:

„Ich will das unbedingt hinkriegen. Es wäre für mich eine persönliche Niederlage, wenn man mir am Ende der Probezeit sagen würde, dass ich nicht geeignet bin für diese Führungsaufgabe. Das wäre sehr peinlich.“

„Es ist unglaublich anstrengend für mich, die Erwartungen, die an mich gestellt werden, gut zu erfüllen.“

„Voraussetzung für diese Stelle ist nach den internen Regeln ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Ich habe mein Studium abgebrochen und verfüge über keinen Hochschulabschluss. Ich bin also gar nicht ausreichend qualifiziert für die Stelle.“

Ich höre Angst vor Scheitern, Selbstzweifel, Leistungs- und Erfolgsdruck, Stress, ...und eine innere Stimme, die sagt "Ich bin nicht gut, so wie ich bin". Das ist nicht die Stimme des starken und stabilen Selbst. Und das, obwohl sie andererseits voller Lust und Freude für die Aufgabe ist. Auf die Frage, was sie an der Führungsaufgabe reizt, fangen ihre Augen an zu leuchten. Sie erzählt voll leidenschaftlicher Begeisterung, dass sie glaubt, Menschen gut erkennen, fördern und für etwas begeistern zu können. Sie strahlt bei der Schilderung, dass sie in dieser Aufgabe gestalten kann. Sie will eine Spur hinterlassen. Ich spüre förmlich, wie sie den Funken für das, was sie gestalten und voranbringen will, auf ihre Mitarbeiter überspringen lässt. Wie sie sie mit “ins Boot nimmt“. Ich spüre, wie sie jeden Mitarbeiter in seiner Entwicklung fordern und fördern möchte, so das er sich entfalten und einbringen kann.

Ich bin sicher, dass sie ihre Führungsaufgabe kompetent ausübt. Nur sie ist sich nicht sicher.

Führungserfolg ist kein Theaterspiel

Bei meinen Überlegungen zum weiteren Vorgehen im Coaching stolpere ich plötzlich über den Begriff „Rolle“. Und auf einmal fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Es geht nicht darum, in eine andere Rolle zu schlüpfen und sie gemäß den Vorgaben des Drehbuches überzeugend zu spielen, wie ein Schauspieler. Wir sind nicht im Theater. Es geht darum, Führungsverantwortung mit dem eigenen Wesenskern auszufüllen. Das ist authentische Führung. Dazu gehört eine Haltung, wie meine Klientin sie privat selbstverständlich hat.

Das berufliche Pendant wären innere Leitsätze, wie beispielsweise:

„Ich weiß, dass ich Menschen führen kann und ich will es so tun, wie es mir entspricht.“

„Ich will authentisch sein. Ich will mir selbst treu bleiben.“

„Ich muss nicht alle Erwartungen erfüllen und ich muss es nicht allen recht machen.“

„Ich möchte mit meinen Mitarbeitern eine Spur hinterlassen. Ich will mit ihnen gestalten“

„Ich zeige Rückgrat, setze mich für das ein, was ich für richtig und wichtig halte, auch wenn es nicht jedem gefällt.“

„Ich gebe mein Bestes und schaue, ob ich die Aufgabe ausfüllen kann und will. Es muss nicht funktionieren. Ich finde eine neue berufliche Chance. Ich kann viel, habe viel und bin viel.“  

Führungskompetenz, lässt sich nicht wie eine Theaterrolle einstudieren. Nur wer sein Selbst, seinen Wesenskern einbringt, kann erfolgreich führen. Frei von äußerem Erwartungsdruck und frei von dem Druck, unbedingt erfolgreich sein zu müssen. Authentisch, klar, innovativ, begeisternd und kreativ gestaltend. Und mit und durch Vertrauen. Vertrauen aus einem sicheren und starken Selbst. Wer sich selbst vertraut, kann auch anderen vertrauen und ihnen Gestaltungsfreiräume geben. So funktioniert Führung 4.0!

Das alles hat meine Klientin bereits in sich. Es auch im beruflichen Umfeld zugänglich zu haben, da muss die weitere Coachingarbeit ansetzen. Führungskräftecoaching ist deshalb manchmal rückwärtsgewandt. Zurück zum authentischen Selbst und dadurch stärkend. Gewissermaßen „Back tot he Roots“.   

 

Weitere Informationen:

Julitta Rössler

mail@remove-this.julitta-roessler.de

www.julitta-roessler.de

 

 

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Der Gewinn im Verlust

Selbst-Für-Sorge – Stärke im Schwachen

©Julitta Rössler

Manchmal ist es schwer, wieder aufstehen zu können, wenn das Leben uns ein Bein gestellt hat. Besonders wenn wir Verletzungen, Verluste und Abschiede zu verkraften haben. Je nachdem, wie schmerzhaft die Vorgeschichte ist, wie tief der Fall ist und wie hart der Aufprall ist, können die Wunden und Verletzungen schwerwiegend sein. Dann wünschen wir uns jemanden, der uns verarztet und uns die Schmerzen nimmt. Der kommt aber nicht. Wenn unsere Seele verletzt ist, sind wir zunächst selbst gefordert. Die Zauber-Formel für unsere Wundversorgung heißt Selbst-Für-Sorge!

Die Ignoranz der vermeintlich Starken

Oft haben wir die...

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Der Gewinn im Verlust

Selbst-Für-Sorge – Stärke im Schwachen

©Julitta Rössler

Manchmal ist es schwer, wieder aufstehen zu können, wenn das Leben uns ein Bein gestellt hat. Besonders wenn wir Verletzungen, Verluste und Abschiede zu verkraften haben. Je nachdem, wie schmerzhaft die Vorgeschichte ist, wie tief der Fall ist und wie hart der Aufprall ist, können die Wunden und Verletzungen schwerwiegend sein. Dann wünschen wir uns jemanden, der uns verarztet und uns die Schmerzen nimmt. Der kommt aber nicht. Wenn unsere Seele verletzt ist, sind wir zunächst selbst gefordert. Die Zauber-Formel für unsere Wundversorgung heißt Selbst-Für-Sorge!

Die Ignoranz der vermeintlich Starken

Oft haben wir die Verluste und Abschiede zu lange nicht ernst genommen. „Wird schon wieder!“, „Die Zeit heilt alle Wunden!“, „Das Leben muss weitergehen!“, „Das gehört zum Leben dazu!“, „Es gibt Schlimmeres!“, ...

Immer schön stark sein!

Immer weiter funktionieren!

Bloß nicht schwächeln!

Das ist die Ignoranz der vermeintlich Starken. Eine Ignoranz, die irgendwann wie ein Bumerang zurückkommt und uns hart treffen und umwerfen kann.

Schwäche ist menschlich

Spätestens wenn wir am Boden liegen, gilt es zu akzeptieren, dass wir schwer angeschlagen sind. Es gilt zu akzeptieren, dass wir hilflos, depressiv, voller Wut, Trauer und Tränen sind. Zeitweise auch ohne jede Perspektive und voller unbeantworteter Fragen und ohne Trost für unsere geschundene Seele. Das fällt uns vielleicht schwer und passt nicht in das Idealbild von uns selbst. Und doch, gehört auch diese Seite zu uns. Wir dürfen schwach, gescheitert, verzweifelt, verwundet, depressiv, ... sein! Es macht uns menschlich. Und ja, es kann höllisch weh tun! Aber es ist gut, dass wir uns so fühlen können. Weil genau das die Seelenzustände sind, die uns zwingen, eine Kurskorrektur in unserem Leben vorzunehmen.

Eine Kurskorrektur, die meist längst überfällig ist.

Eine Kurskorrektur weg davon, was Andere erwarten und wie wir ihnen gefallen können.

Eine Kurskorrektur weg von den Menschen und Verhältnissen, die uns nicht guttun.

Eine Kurskorrektur hin zu unseren Wünschen, Bedürfnissen und zu dem, was uns ausmacht.

Selbst-Für-Sorge für den Weg wieder raus aus dem Tal der Tränen

Vor der Verantwortung für andere Menschen und der Erfüllung ihrer Erwartungen und Bedürfnisse steht die Für-Sorge für uns selbst. Das ist eine wesentliche Erkenntnis auf dem Weg wieder heraus aus dem tiefen Tal der Tränen. Viel zu häufig machen wir unser eigenes Wohlergehen abhängig vom Wohlwollen anderer Menschen. Selbst dann, wenn sie uns Leid zugefügt haben. Das schlechte Gewissen treibt uns durch die Arena des Wohlgefallens.

Das funktioniert eine Weile. Es ist aber ungeheuer anstrengend, weil wir uns selbst dabei verleugnen. Das halten wir nicht auf Dauer aus, ohne Schaden zu nehmen. Und ganz plötzlich meldet sich unser Körper und zeigt uns die rote Karte. Dann fühlen wir uns kraftlos, leer, traurig, unruhig, nervös, energielos, ...

Wir können lernen, mit Leid und Seelenschmerz umzugehen. Indem wir akzeptieren, dass zu jeder „Geschichte“ zwei Seiten gehören. Und indem wir akzeptieren, dass wir die „fremde“ Seite nicht beeinflussen können. Das ist manchmal äußerst schwierig. Manchmal gelingt es vielleicht auch gar nicht, oder erst nach langer schmerzhafter Zeit. Dennoch, wir können einzig und allein uns selbst steuern, verändern und entwickeln. Das zu lernen, heißt, zu lernen, gut für sich selbst zu sorgen. Eben Selbst-Für-Sorge lernen.

Dann finden wir Ruhe und Zufriedenheit in und aus uns selbst.

Dann werden wir frei und unabhängig.

Dann können wir von Geschehnissen und Menschen, die uns nicht guttun loslassen.

Dann haben die Verhältnisse und Andere keine Macht mehr über uns.

Dann können wir klar für uns einstehen und uns vor Verletzung schützen.

Den Schutz aus der Kindheit wiederbeleben

Auf dem Weg dahin kann eine vertraute Person hilfreicher Begleiter sein. Eine Person, die Lebensmut, Lebenslust und Lebenskraft in sich vereint. Die Person muss nicht physisch anwesend sein. Vielleicht erinnern wir uns an eine liebevolle und wichtige Person aus unserer Kindheit, die uns immer mit gutem Rat zur Seite stand. Wenn sie bereits verstorben ist, reicht die innere Zwiesprache mit ihr aus der Erinnerung an sie. Und auf einmal fühlen wir uns gut beschützt. Wie damals als Kind. Uns kann nichts mehr passieren. Wir fühlen uns aufgefangen und angenommen in unserer momentanen Schwäche. Obendrein hält diese Person bestimmt guten Rat aus ihrer geballten Lebenserfahrung für uns bereit. Wie früher auch. Und auf einmal können wir uns aufrichten. Stolzer, aufrechter und mutiger, aber auch  anders als zuvor. Selbstbewusster im eigentlichen Wortsinn. Und mit mehr Rücksichtnahme und Respekt uns selbst gegenüber.

Solche imaginativen Reflexionsgespräche können wichtige Impulse für einen Perspektivwechsel geben. Am besten führen wir diese Gespräche fernab von unserem alltäglichen Umfeld an einen Wohlfühlort. Und zwar ganz alleine. Wie überhaupt Alleinsein das Selbst stärkt. Ohne jeden Fremdimpuls können sich die eigenen Gedanken ordnen, klären und entspannen. Manchmal ist es zunächst schwer, weil gerade, wenn wir allein sind, unser Schmerz uns wie eine Tsunamiwelle wieder überrollt. Wie eine „echte“ Welle auch, zieht er sich aber irgendwann zurück. Und macht Platz für das bis dahin unsichtbare weil untergetauchte (Gedanken-) Strandgut. Und dann können wir die freigelegten Muscheln, sprich neue Ideen, aufnehmen

Der Gewinn im Verlust

Jeder Verlust bietet die Chance, Neues zu gewinnen. Es ist nützlich, sich zu fragen, was der Gewinn des Verlustes sein wird. Um die Blickrichtung zu verändern. Weg vom Verlorenen, hin zum Neuen. Mit Sicherheit gewinnen wir Lebenserfahrung. Vielleicht auch Mut, Freiheit, Unabhängigkeit, Reife, Lebendigkeit, neue Freunde, ... oder ganz einfach Authentizität!

Und auf einmal entwickeln wir innere Stärke. Auf einmal kann uns die Krise wieder ein Stück weit klarer und intensiver zum Vorschein kommen lassen. Das ist dann Resilienz pur!

Weitere Informationen:

Julitta Rössler

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www.julitta-roessler.de

 

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Geistiger Geiz ist geil!

Weniger Informationen für mehr Klarheit

 

©Antje Lindert-Rottke-Fotolia.com

Zu viele Informationen beeinträchtigten unseren Geist. Insbesondere, wenn die Informationen, wie so oft, oberflächlich, falsch, unwichtig, ... sind. Damit werden wir nicht klüger. Damit bekommen wir auch nicht die Klarheit, die wir für gute Entscheidungen brauchen. Im Gegenteil! Weniger wäre mehr. Themen wirklich geistig zu durchdringen, sie zu verstehen, Kompetenz aufzubauen, all das braucht Qualität anstatt Quantität. In der Beschränkung liegt die Kraft des klugen Geistes. Auch das ist Resilienz. Die Fähigkeit, immer wieder Richtung und Klarheit im Dschungel der Informationen und Möglichkeiten zu...

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Geistiger Geiz ist geil!

Weniger Informationen für mehr Klarheit

 

©Antje Lindert-Rottke-Fotolia.com

Zu viele Informationen beeinträchtigten unseren Geist. Insbesondere, wenn die Informationen, wie so oft, oberflächlich, falsch, unwichtig, ... sind. Damit werden wir nicht klüger. Damit bekommen wir auch nicht die Klarheit, die wir für gute Entscheidungen brauchen. Im Gegenteil! Weniger wäre mehr. Themen wirklich geistig zu durchdringen, sie zu verstehen, Kompetenz aufzubauen, all das braucht Qualität anstatt Quantität. In der Beschränkung liegt die Kraft des klugen Geistes. Auch das ist Resilienz. Die Fähigkeit, immer wieder Richtung und Klarheit im Dschungel der Informationen und Möglichkeiten zu gewinnen.

Wenn ich morgens nach einem entspannten Frühstück in meine Nachrichten schaue und die neuesten News lese, stelle ich fest, dass es immer häufiger Nachrichten und Meldungen sind, die irgendwann nachts oder sehr früh morgens verfasst oder abgesetzt wurden. Zu Zeiten, wo ich mich vermutlich noch in meiner Tiefschlafphase befunden habe.

Kann das wirklich gut sein? Nein!

Informationsbegrenzung für Geisteshygiene

In der digitalisierten Welt können wir zu jeder Tag- und Nachtzeit ohne Pause Informationen empfangen und senden. Wir müssen es aber nicht! Und wir sollten es nicht! Unser Mitteilungs- und Informationsbedürfnis braucht Grenzen. Für die eigene Geisteshygiene. Und für intellektuellen Tiefgang in der Menge des geistig Belanglosen. Das sollten wir uns wert sein. Das ist eine Form der Selbstwertschätzung, der Selbstbestimmung, der Selbstverantwortung, ... eine Form des klaren Selbst. Das brauchen wir mehr denn je, um nicht unterzugehen in der Flut der Informationen und Möglichkeiten.

Werden Sie geizig im Umgang mit Informationen. Pusten Sie nicht alles, was Ihnen durch den Kopf geht, sofort in die Welt. Vor allen Dingen nicht nachts. Da sollten Sie schlafen! Lesen Sie nicht alles, was Ihnen dargeboten wird. Werden Sie wählerisch und kümmern Sie sich stattdessen um Horizonterweiterung und intellektuellen Tiefgang. Davon haben Sie etwas. Obendrein gewinnen Sie Zeit für müßige Stunden des Nichtstuns. Das ist die Basis für Kreativität und Innovationsfähigkeit. Beides sind wichtige Kernkompetenzen der Zukunft.

Empfehlungen für geistigen Geiz

An dieser Stelle deshalb ein paar praktische Tipps. So mache ich es und stelle fest: Es tut ungemein gut und hilft mir, sehr gelassen erfolgreich zu sein.

Mein Motto „Geistiger Geiz ist geil!“. Und so kann es gehen: 

·         Gewöhnen Sie sich ein Morgen- und ein Abendritual frei von den neuesten Informationen an. Und frei von Ihrem Smartphone! Verbannen Sie Ihr Smartphone aus dem Schlafzimmer. Kaufen Sie sich einen Wecker oder programmieren Sie Ihre Musik so, dass Sie mit Ihrer Lieblingsmusik geweckt werden. 

·         Starten Sie mit guten Gefühlen in den Tag und verabschieden Sie sich mit guten Gefühlen aus dem Tag. Frei von Informationen. Atmen Sie, noch im Bett liegend, bei offenem Fenster genussvoll die frische Morgenluft. Genießen Sie den ersten Schluck Kaffee oder Tee ohne Blick auf Ihr Smartphone. Beschließen Sie den Tag mit einem Blick in den Sternenhimmel. Spüren Sie, wie wenig wichtig manche Themen in Anbetracht des Universums werden. Denn „Vom Mond aus betrachtet ist alles eigentlich halb so schlimm!“ 

·         Beschränken Sie sich auf die Lektüre ausgewählter Zeitungen und Zeitschriften. Wählen Sie jede Woche nur eine Zeitung aus, die Sie lesen wollen. Lesen Sie sie wirklich. Kaufen Sie sich dafür ab und an auch einmal wieder ein „echtes“ Exemplar in Papierform. Das ist ein von Verlinkungen freies und damit ablenkungsfreies Leseerlebnis. Herrlich!

·         Bezahlen Sie für gut recherchierten Journalismus. Gute Recherche und kritische Aufbereitung von Informationen mit der Chance zu tatsächlicher Meinungsbildung ist kostenintensiv. Sie sollten bereit sein, das zu finanzieren und nicht nur auf die kostenlosen News schauen. Bezahlter Journalismus bietet die größte Chance, der Flut von Fake-News und externer Meinungsmanipulation zu entgehen. Hier ist Geiz überhaupt nicht geil!

·         Kündigen Sie Ihre Abos für diverse Fachmagazine. Entscheiden Sie sich jeden Monat neu für ein einziges Magazin, dass gerade die interessantesten Titelthemen hat. Kaufen Sie es und lesen Sie es, ohne sich von anderen Themen in anderen Magazinen ablenken zu lassen. Am Ende haben Sie Wissenszugewinn. Einen Zugewinn, wie Sie ihn nicht bekommen, wenn Sie zu viele Magazine zuhause stapeln und am Ende ungelesen dem Altpapier übergeben. Einen Zugewinn, wie Sie ihn nicht in zahlreichen schnell gelesenen Internetartikeln bekommen.

·         Bestellen Sie Newsletter ab. Beschränken Sie sich auch hier. Wählen Sie die, die einen qualitativ hochwertigen Informationsgehalt garantieren. Alle anderen kosten Zeit und haben keinen Nutzen.

·         Investieren Sie Zeit in den Kontakt mit Menschen, die ganz anders als Sie selbst denken, handeln und leben. Das ist lebendige Horizonterweiterung. Daraus erwächst die Chance zum Perspektivwechsel in schwierigen Situationen 

·         Sprechen Sie mit den Menschen. Eine Unterhaltung ist weniger zeitintensiv als andauerndes Texten. Auch wenn es in der Welt der Kurznachrichten nicht so scheint. Ganz nebenbei ist das persönliche Gespräch förderlich für gute Beziehungen. Und die sind wichtig für die Bewältigung von schwierigen Situationen. Im Falle eines Falles helfen virtuelle „Freundschaften“ wenig. Seien Sie wählerisch und nehmen Sie sich real Zeit für die Menschen, die Ihnen wichtig und wertvoll sind. 

·         Gönnen Sie sich Zeiten des kompletten Ausstiegs aus der Informationsflut. Gehen Sie offline. Fahren Sie ohne Fachlektüre und „nur“ mit ein paar Romanen, Krimis, Erzählungen, ... ein paar Tage an einen wohltuenden Ort. Tauchen Sie durch die Geschichten in andere Welten ein. Frei von Reizüberflutung. Just for fun.

·         Last but not least: Gönnen Sie sich Zeit zum Nachdenken, ganz ohne News!

In diesem Sinne: Ich bin demnächst mal wieder für ein paar Tage weg an die Nordsee. Mit ein paar schönen Büchern im Gepäck. Und mit Zeit zum Nachdenken über aktuelle Themen in meinem Leben. Ich freu mich drauf.

Geistiger Geiz ist eben geil!

 

 

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Julitta Rössler

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Resilienz - Die Stärke der Dünnhäutigen

Verletzlichkeit macht stark!

©Julitta Rössler

Resilienz ist etwas Anderes als der vielfach zitierte stabile Fels in der Brandung, der sich gegen Widerstände stemmt und unveränderlich starr und fest ist. Resilienz befähigt zu Veränderung, Entwicklung und Wachstum. Resilienz ist ein dynamischer Reifungsprozess. Dafür braucht es Verletzlichkeit, Empfindsamkeit und Dünnhäutigkeit. Nicht die „coolen“, „taffen“ und „kernigen“ Typen sind widerstandsfähig. Nicht die, die felsenfest stehen bleiben, wo und wie sie sind, sondern die, die schwach und verletzlich sein können, sind widerstandsfähig. Die, die sich dynamisch und flexibel an die Erfordernisse anpassen können. Erst...

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Resilienz - Die Stärke der Dünnhäutigen

Verletzlichkeit macht stark!

©Julitta Rössler

Resilienz ist etwas Anderes als der vielfach zitierte stabile Fels in der Brandung, der sich gegen Widerstände stemmt und unveränderlich starr und fest ist. Resilienz befähigt zu Veränderung, Entwicklung und Wachstum. Resilienz ist ein dynamischer Reifungsprozess. Dafür braucht es Verletzlichkeit, Empfindsamkeit und Dünnhäutigkeit. Nicht die „coolen“, „taffen“ und „kernigen“ Typen sind widerstandsfähig. Nicht die, die felsenfest stehen bleiben, wo und wie sie sind, sondern die, die schwach und verletzlich sein können, sind widerstandsfähig. Die, die sich dynamisch und flexibel an die Erfordernisse anpassen können. Erst Verletzlichkeit macht stark!

Ich wage eine These: Stressempfindliche und dünnhäutige Menschen sind resilienter als diejenigen, denen scheinbar nichts etwas anhaben kann.

Wie komme ich zu dieser Ansicht?

Resilienz ist die Fähigkeit. mit Krisen, Schicksalsschlägen, Belastungen, Umbrüchen und Unsicherheiten unter Rückgriff auf eigene Ressourcen derart umgehen zu können, dass wir diese Situationen ohne Schaden bewältigen und uns im Idealfall sogar persönlich daran entwickeln, verändern und wachsen können. Resilienz ist ein lebenslänglicher Entwicklungs- und Reifungsprozess, während dessen wir uns stetig verbessern im Umgang mit den Widrigkeiten des Lebens.

Menschen, denen dieser Prozess gelingt, trauen sich durch das „Tal der Tränen“, wenn ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Sie verarbeiten die damit verbundenen Themen tatsächlich tief in ihrem Innersten mit allen dazu gehörenden Emotionen wie Schmerz, Trauer, Verletzung, Enttäuschung, Angst, Einsamkeit, ... Sie haben keine Teflon-Schicht an sich, an der alles abprallt, sondern sind empfindsam und verletzlich. Sie sind bereit, zu leiden und können genau deshalb die Wunden ihrer Seele heilen.

Das klingt vielleicht seltsam. Kein Mensch will leiden. Was ist gemeint?

Die verletzte Seele

Es ist egal, ob wir einen geliebten Menschen durch seinen Tod verlieren, ob wir damit fertig werden müssen, dass eine große Liebe unerfüllt ist, ob wir eine Trennung verkraften müssen, ob wir eine schwere Erkrankung erleiden, ob wir unseren Job verlieren oder selbst kündigen, ob eine Freundschaft zerbricht, oder ob wir aus anderen Gründen plötzlich vor scheinbar unlösbare Herausforderungen gestellt sind.

All das kann uns zu Fall bringen und unsere Seele schwer verletzen.

Erst wenn wir die damit verbundenen Gefühle von Verlust, Sehnsucht und Einsamkeit ertragen, aushalten und uns verletzlich zeigen können, haben wir eine Chance, gut aus der tiefen Talsohle herauszukommen und Neues entstehen zu lassen. Dazu braucht es Feinfühligkeit, Empfindsamkeit, Sensibilität, Emotionalität, ... eben eine gewisse Dünnhäutigkeit.  

Abschied und Verlust

Jede Lebenssituation, die uns aus der Bahn wirft, bedeutet Abschied und Verlust. Der Verlust der Normalität; die zerplatzte Illusion über das, was wir glaubten, was sein, bleiben und werden kann; der Verlust dessen, was wir glaubten, über einen anderen uns wertvollen Menschen zu wissen und wie wir glaubten ihm vertrauen und nah sein zu können; der Verlust von Sinnhaftigkeit, der Verlust von Sicherheit, der Verlust von Zugehörigkeit, ... Das ist etwas Anderes und Schwerwiegenderes, als enttäuschte Erwartungen verarbeiten zu müssen. Das tut richtig weh! Das kann uns das Herz brechen!

Sehnsüchte spielen in diesem Prozess eine wichtige Rolle. Die Sehnsucht nach wieder Sinn und Halt im Leben. Die Sehnsucht nach Nähe, Verlässlichkeit und Vertrauen. Die Sehnsucht nach Heilung der Seele. Die Sehnsucht, zurückzubekommen, was verloren gegangen ist. Die Sehnsucht nach der verloren gegangenen Liebe.

Und genau deshalb, weil wir in diesen Situationen so gerne wiederhätten, was verloren gegangen ist, klammern wir meist an dem Verlorenen.

Wir hadern und sind gefangen in unserer Wut und Verzweiflung. Wir bleiben an den Menschen, Dingen und Verhältnissen „kleben“, die uns verletzt haben. Wir sind wie ein angeschossenes Reh im Wald, verwundet, hilflos und am Boden liegend.  

Das bedingt auch, dass wir uns verlassen, einsam und verloren fühlen. Denken Sie an ihren letzten richtig großen Liebeskummer. Denken Sie an das Gefühl, aussortiert worden zu sein und nicht mehr dazuzugehören, nachdem Sie die Kündigung erhalten haben. Denken Sie an den Schmerz und das Gefühl einsam zu sein, nach dem Tod, der Trennung, einer nicht erwiderten Liebe, oder einfach nur dem Wegzug eines nahen Menschen. Denken Sie an das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden, als Ihre Kinder endlich erwachsen sind und ihre eigenen Wege gehen ... Es gibt viele Situationen, die uns einsam und verloren fühlen lassen.

Ich selbst habe viele dieser Gefühle erlebt und weiß, wie sehr das Herz daran zerbrechen kann.

Von „verbotenen“ Gefühlen

Es kann aber auch wieder heilen. Dann, wenn wir aufhören, uns „mit Taten, Worten und Werken“ im Verlorenen aufzuhalten. Dann, wenn wir uns stattdessen ganz auf unser Innerstes und uns selbst besinnen. Dann, wenn wir unseren Schmerz, unser Leid und damit den Abschied zulassen.

Viele Menschen können das nicht. Scheinbar souverän packen sie ihre Nackenschläge des Lebens beiseite und gehen zur Tagesordnung über. Nur keine Schwäche zeigen, ist ihr Motto. Wenn ein Klient mit den Worten „Das kenne ich. So eine Situation hatte ich schon einmal. Da bin ich aber drüber weg.“ zu mir kommt, werde ich hellhörig. Meist ist er nur drüber weggegangen und hat die Aufgaben, die das Leben ihm gestellt hat, nicht bewältigt. Und genau deshalb hat ihn ein ähnliches Schicksal wieder ereilt und er sucht meine professionelle Begleitung.

Oft stellt sich heraus, dass diese Menschen im Elternhaus erlebt haben, dass nicht über Gefühle gesprochen wurde. Sie durften keine Gefühle haben. Deshalb geben sie sich in allem auch heute redlich Mühe, alles irgendwie hinzubekommen. Ohne Gefühl und nur mit gutem Willen und Verstand.

Dabei sind Gefühle der verlässlichste Indikator für unsere Bedürfnisse und Werte. Immer dann, wenn wir unangenehme Gefühle erleben, sagt uns unser Körper in kompetenter Weise, dass etwas, was uns wichtig ist, gerade verletzt wird. Genau dafür müssen wir wieder sorgen. Dafür brauchen wir Klarheit darüber, was es ist. Die gewinnen wir nur, wenn wir spüren können, wie es uns gerade ganz konkret geht. Es ist ein Unterschied, ob wir traurig, zornig, unsicher, einsam, ... sind, oder andere unangenehmen Gefühle haben. Dahinter können sehr unterschiedliche Bedürfnisse stehen. Beispielsweise das Bedürfnis nach Nähe, nach Sicherheit, nach Geselligkeit, nach Ruhe, nach Distanz, nach Unabhängigkeit, ... Wer seinen Schmerz nicht spüren kann oder will, kann neue Wege nur schwer finden. Dessen Seele kann nicht heilen. Und er kann nicht wachsen und sich weiterentwickeln. Er stagniert.

Auszeit mit sich selbst

Ich empfehle in schmerzhaften Lebenslagen - aber nicht nur dann - für ein paar Tage einen Ort aufzusuchen, der unaufgeregt, wohltuend und beruhigend ist. Und zwar alleine. Mein Favorit sind ein paar Tage mit einsamen langen Strandspaziergängen an der Nordsee.

Ganz mit sich alleine zu sein in schwierigen Zeiten, ermöglicht, sich wieder mit seinem Innersten zu verbinden und frei zu werden von Belastungen und Zwängen. Das ist gerade dann, wenn das Leben mal wieder wie eine saure Zitrone daherkommt, nicht unbedingt einfach. Viel lieber würden wir uns jetzt ablenken. Das ist aber nicht der Schlüssel zu innerer Stärke und persönlicher Entwicklung. Dafür müssen wir in eine innere Klausur mit uns selbst gehen. Nur dann finden wir, was wir wirklich wollen und brauchen. Nur dann finden wir unseren Seelenfrieden wieder.

Ich empfehle auch ein alltägliches Ritual mit sich alleine, beispielsweise einen täglichen Spaziergang, eine Teestunde, eine Mußestunde, ein Morgen- oder Abendritual, ... ein Ritual, dass der verletzten Seele guttut und Zeit zum Nachdenken und Spüren gibt. Denn der Verstand braucht die Gefühle als Verbündeten und Navigator in unsicheren Zeiten.

Viele Menschen gönnen sich diese Zeiten für das eigene Selbst und die Heilung ihrer Wunden nicht. Im Laufe des Lebens vernarbt ihre Seele. Sie legen sich einen vermeintlichen Schutzmantel aus „Coolness“ und einer Haltung nach dem Motto „Da geht noch was! Ich schaff noch mehr!“ zu. Hinter einem nach außen sehr belastbar wirkenden und präsenten Menschen verbirgt sich oft eine tief verletzte innere Seele mit einem überhaupt nicht starken Selbst. Eine Seele, die nie leiden durfte. Eine Seele, die nicht verletzlich sein durfte. Die größten Egozentriker sind oft verwundete Seelen.

Um wieder aufstehen zu können, müssen wir leiden. Verluste müssen verabschiedet und betrauert werden. Gefühle wollen gelebt werden. Erst dann können wir akzeptieren, annehmen und emotional loslassen, was uns zu Fall gebracht hat. Erst dann können wir unsere Wünsche, Sehnsüchte und Träume an das Vergangene verabschieden und den Verursachern vergeben. Erst dann werden wir wieder frei von Demütigung, Verletzung und Verlust.

Dann können wir neue und andere Wege finden und gehen. Dann haben wir eine Chance, dass die Wunden heilen.Dann können wir persönlich daran wachsen, uns verändern und entwickeln.

Die Aktualität der Philosophie

Schon Sokrates vertrat die Meinung, dass glücklich leben kann, wer weiß, was gut für ihn ist. Damit die eigene Seele keinen Schaden nimmt, muss der Mensch Sorge um seine Seele tragen. So seine Haltung. Eine Haltung, die, wie ich meine, in einer Zeit großer Umbrüche und Unwägbarkeiten aktueller denn je ist. Eine Haltung, die eine wesentliche Resilienz-Kompetenz beschreibt. Ein starkes Selbst ist die Wurzel der Resilienz. Ein Selbst, dass seine Stärke aus Empfindsamkeit und Verletzlichkeit zieht.

Ich wage noch eine zweite These: Es wäre aus meiner Sicht ein ideales Modell einer zukunftsfähigen Führungskultur, wenn dünnhäutige, weniger stresstolerante und empfindsame Menschen Führungsverantwortung hätten. Anders als zurzeit, wo eher „die Harten in den Garten kommen“. Mit den dünnhäutigen Feingeistern lässt sich der längst überfällige gesellschaftliche und wirtschaftliche Kulturwandel hin zu Menschlichkeit gestalten. Davon würden wir alle profitieren.

Die, deren Herzen brechen können, sind die wirklich Mutigen und Starken. Sie sind empfindsam und verletzlich und können aus dem Tal der Tränen wieder herausfinden. Sie können verändern und Neues gestalten. Darum geht es heute und in Zukunft. Das ist Resilienz. Eine Kernkompetenz in unsicheren und fragilen Zeiten.

Mehr Informationen:

Julitta Rössler

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www.julitta-roessler.de

 

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Resilienz ist für gewöhnlich nicht ungewöhnlich

Veränderungsprozesse – „Love it, Change it or Leave it“

Das Leben kommt häufig anders als wir es geplant haben. Die Achterbahnfahrt des Lebens geht nie nur bergauf oder geradeaus. Auch die Talfahrten gehören dazu. Erst das ständige Wechselspiel zwischen Höhen und Tiefen macht die Fülle des Lebens aus.

Ein immer gleicher Prozess der Veränderung stoppt die Talfahrten an ihrem Tiefpunkt und bringt die Wende hin zu neuen Höhen. Es geht um den zum Teil schmerzhaften und mühsamen Weg, Unabänderliches anzunehmen, zu akzeptieren, loszulassen und dadurch Neues entwickeln zu können. Das sind Kernkompetenzen der Resilienz.

Love it

Stellen Sie sich vor, alles läuft rund in Ihrem Leben. Sie fühlen sich...

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Resilienz ist für gewöhnlich nicht ungewöhnlich

Veränderungsprozesse – „Love it, Change it or Leave it“

Das Leben kommt häufig anders als wir es geplant haben. Die Achterbahnfahrt des Lebens geht nie nur bergauf oder geradeaus. Auch die Talfahrten gehören dazu. Erst das ständige Wechselspiel zwischen Höhen und Tiefen macht die Fülle des Lebens aus.

Ein immer gleicher Prozess der Veränderung stoppt die Talfahrten an ihrem Tiefpunkt und bringt die Wende hin zu neuen Höhen. Es geht um den zum Teil schmerzhaften und mühsamen Weg, Unabänderliches anzunehmen, zu akzeptieren, loszulassen und dadurch Neues entwickeln zu können. Das sind Kernkompetenzen der Resilienz.

Love it

Stellen Sie sich vor, alles läuft rund in Ihrem Leben. Sie fühlen sich wohl, sind vielleicht sogar im Flow. Dann sind Sie im Modus „Love it“. Wäre schön, wenn es immer so bliebe. Tut es aber nicht. Manchmal schleichend, manchmal ganz plötzlich startet die Vertreibung aus dem Paradies. Sie geraten auf Talfahrt. C’est la vie! Die Auslöser dafür sind unterschiedlich. Mal mehr, mal weniger heftig.

Sie erhalten unerwartet die Kündigung. Vielleicht bekommen Sie neue Kollegen, mit denen Sie nicht auskommen. Sie entdecken plötzlich, dass Ihr Partner/Ihre Partnerin ein Verhältnis hat. Sie trennen sich nach vielen gemeinsamen Jahren. Eine Freundschaft zerbricht. Ein Ihnen naher Mensch verstirbt. Ein Unwetter zerstört Ihr Haus. Die nächste Finanzkrise vernichtet Ihr Erspartes. Der Arzt diagnostiziert eine schwere Erkrankung. ... Und natürlich die vielen kleinen Ärgernisse und Belastungen des Alltags, die den geraden Kurs im Leben beeinträchtigen.

Das alles ist nicht einfach. Plötzlich sind wir auf einer emotionalen Achterbahnfahrt. Wir werden durchgeschüttelt und sehnen uns zurück in unsere alte Komfortzone. Dahin, wo alles gut und angenehm war. Das gibt es aber nicht mehr. Wir müssen uns verändern und neue Wege gehen. Wir müssen vom Modus „Love it“ in den Modus „Change it“ wechseln.

Change it

Zunächst sind wir geschockt. Wir wollen nicht wahrhaben, was passiert ist. „Das kann doch nicht sein!“, „Das werde ich nicht hinnehmen.“, „So einfach kann sie das mit mir nicht machen!“, „Das geht doch nicht!“, „Da werde ich gegen angehen!“, „Der Idiot!“, ... 

Wir setzen dann alles daran, zu retten, was einmal war. Wir versuchen, die Umstände oder andere Menschen zu ändern und sind mit unseren Gedanken im Problem gefangen: „Das kriegen wir wieder hin!“, „Der wird schon wieder einsichtig werden!“, „Du musst aber auch mal!“, „Kannst du endlich mal ...!“, „Es muss doch irgendwie wieder funktionieren!“, „Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird!“...

Der Kampf um den Erhalt des Arbeitsplatzes verläuft dabei nicht anders als der Kampf um die große Liebe. Wir halten fest und klammern. Wir suchen Schuldige und machen uns zum wehrlosen Opfer. Das ist zunächst einfach, aber nicht hilfreich.

Lassen sich die äußeren Verhältnisse nicht ändern, bleibt uns noch ein Perspektivwechsel. Wir können unsere Einstellung zum Geschehen ändern. Wir können Chancen im Debakel suchen, die Dinge umdeuten und eine andere Sicht einnehmen, oder unsere Interpretation und Wertung hinterfragen: „Ist es wirklich so?“, „Wie kann ich es auch anders sehen?“, „Was ist der mögliche Nutzen der Situation?“, „Welche Chancen eröffnet es mir?“, „Was kann ich daraus lernen?“, „Wer weiß, wozu es gut ist?“ ...

Vielleicht haben die neuen Kollegen Kompetenzen, die uns nützlich sind? Vielleicht öffnet uns die Affäre des Partners/der Partnerin die Augen für eigene Versäumnisse. Möglicherweise entdecken wir, wie sehr wir den Anderen lieben und suchen Wege für einen gemeinsamen Neubeginn, anders als vorher? Der Jobfrust kann auch eine Chance sein, sich zu verändern, vielleicht neu zu qualifizieren, so, dass wir endlich tun, was zu uns passt. ...

Leave it

Wenn wir aber weder die Verhältnisse noch unsere eigene Perspektive und Einstellung sinnvoll ändern können, müssen wir aufhören zu kämpfen, das „alte Spielfeld“ verlassen und in den Modus „Leave it“ wechseln. Das bedeutet Trennung, Kündigung, Umzug, Abschied, Unternehmensauflösung, ... Das tut weh, verunsichert und bringt das eigene Selbstvertrauen ins Wanken. Wir erleben nicht selten depressive Phasen, fühlen uns einsam, zweifeln an uns selbst, ... Das ist das Tal der Tränen. Da müssen wir durch mit allem Schmerz, der damit einhergeht. Alte Sicherheiten gehen verloren. Deshalb gehört auch Angst dazu. Diese Gefühle wollen gelebt werden. Nur dann können wir sie verarbeiten und auch emotional die „Nackenschlägen“ des Lebens annehmen, akzeptieren und loslassen. Das ist nicht Flucht, sondern die konstruktive Gestaltung eines Neuanfangs.

Dieser Prozess kann unterschiedlich lange dauern. Je nachdem, um was es geht, wie tief die Wunden sind, wie flexibel wir im Denken sind, wie geübt und erfahren wir im Umgang mit herausfordernden Situationen sind, ... Anfangs haben wir große Selbstzweifel „Wie soll ich das jemals schaffen?“, „Ich kann das nicht!“, „Ich würde ja gerne, aber...“, „Was ist, wenn...?“

Es gibt aber kein zurück. Wir müssen eine Richtungsänderung einschlagen.

Nicht jeder schafft die Kehrtwende alleine. Dann ist professionelle Hilfe sinnvoll.

Ob alleine oder mit professioneller Begleitung, in den meisten Situationen gelingt der Wendepunkt. Dann bekommen wir auf einmal Ideen für neue Lösungen. Wir haben eine Vorstellung, wie es weitergehen kann. Wir entdecken Optionen, die uns im Gefühlsdschungel der Verzweiflung nicht erkennbar waren. Auf einmal entwickeln wir innere Stärke. Wir haben Mut, Neues auszuprobieren und eingefahrene Muster zu verlassen. Nicht alles funktioniert sofort. Rückschläge und Niederlagen gehören dazu. Irgendwann haben wir eine Lösung, die wir in unser Leben integrieren können.

Wir erlangen neue Stabilität. Wir sind wieder im Modus „Love it“ angekommen. Im Idealfall haben wir das Gefühl, uns positiv entwickelt und verändert zu haben. Wir sind innerlich stärker geworden. Das Zutrauen, die nächste Krise auch meistern zu können, ist gewachsen. Unsere Resilienz ist gestärkt.

Das passiert im Leben immer wieder und ist für gewöhnlich nicht ungewöhnlich!

 

Weitere Informationen:

Julitta Rössler

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www.julitta-roessler.de

 

 

 

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Menschlichkeit – die Essenz des (Arbeits-)Lebens

Vertrauensvolle Beziehungen als Quelle von Resilienz

© Franz-Pfluegl-Fotolia

Stärkende soziale Beziehungen sind die wichtigste Ressource für seelische Widerstandskraft und innere Stärke. Sie sind wesentlich für den Aufbau eines gesunden Selbstwertgefühls und damit für die Fähigkeit, Herausforderungen im Leben in die Hand nehmen und bewältigen zu können. Auch im Arbeitsleben sind es die zwischenmenschlichen Beziehungen, die entscheidend dafür sind, ob Mitarbeiter psychisch stabil, gesund, leistungsstark und motiviert sind. Vertrauensvoll gestaltete Beziehungen fördern obendrein die Entfaltung ausschließlich menschlicher Kompetenzen, wie sie ein Roboter nicht haben kann.

Wie so oft, sind es...

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Menschlichkeit – die Essenz des (Arbeits-)Lebens

Vertrauensvolle Beziehungen als Quelle von Resilienz

© Franz-Pfluegl-Fotolia

Stärkende soziale Beziehungen sind die wichtigste Ressource für seelische Widerstandskraft und innere Stärke. Sie sind wesentlich für den Aufbau eines gesunden Selbstwertgefühls und damit für die Fähigkeit, Herausforderungen im Leben in die Hand nehmen und bewältigen zu können. Auch im Arbeitsleben sind es die zwischenmenschlichen Beziehungen, die entscheidend dafür sind, ob Mitarbeiter psychisch stabil, gesund, leistungsstark und motiviert sind. Vertrauensvoll gestaltete Beziehungen fördern obendrein die Entfaltung ausschließlich menschlicher Kompetenzen, wie sie ein Roboter nicht haben kann.

Wie so oft, sind es die kurzen und emotionalen Momente in meinem Leben, die mich inspirieren. So auch heute wieder.

Beim Abschied am Ende eines wirklich schönen Tages mit einem Freund. Zeitgleich von uns beiden die Aussage: „Komm lass dich umarmen!“ Und dann noch der Satz des Freundes: „Schön, dass es dich gibt!“ Das sind die Wow-Momente des Lebens. Das sind emotionale Momente voll Wärme und ehrlicher Verbundenheit. Nach einem Tag mit wertvoller gemeinsamer Zeit und langen und guten Gesprächen. Solche Begegnungen geben Energie und es macht mir Spaß, meine Energie in sie zu investieren.

Was gibt es Schöneres, als Menschen, die ehrlich ausdrücken und zeigen können, dass sie uns wertschätzen und annehmen können. So, wie wir sind. Das ist berührend, motivierend und geht unter die Haut. Solche Verbindungen sind die Essenz des Lebens. Sie stärken und fördern unsere Resilienz. Denn Menschen, die an uns glauben, uns nah sind und auf die wir zählen und denen wir vertrauen können, sind Balsam für die Seele. Begegnungen mit ihnen sind wesentlich für den Aufbau eines gesunden Selbstwertgefühls und damit für die Fähigkeit, Herausforderungen im Leben in die Hand nehmen und bewältigen zu können. Sie geben uns Sicherheit und Zutrauen in uns selbst.

Auch im Arbeitsleben sind es die zwischenmenschlichen Beziehungen, die entscheidend dafür sind, ob Mitarbeiter psychisch stabil, gesund, leistungsstark und motiviert sind. Mitarbeiter, die sich angenommen und in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt fühlen, werden kreativ und innovativ ihre Aufgaben erfüllen. Anders als Mitarbeiter, die sich lediglich als zu minimierender Kostenfaktor fühlen.

Wann haben Sie das letzte Mal einem Mitarbeiter oder Kollegen gesagt „Gut, dass du da bist und unser Team mit deinen Ideen und Kompetenzen unterstützt und bereicherst!“? Trauen Sie sich! Zeigen Sie Menschlichkeit im Arbeitsleben. Es ist eine lohnende Investition in die Entwicklung und Entfaltung der Potenziale der Mitarbeiter.

Mitarbeiter wertschätzend anzunehmen, ihnen zu vertrauen, sie in ihrer persönlichen Entfaltung zu fördern, ihnen etwas zuzutrauen und ihnen zu zeigen, dass sie wichtig und wertvoll für die Organisation sind, das ist konkret gelebter Kulturwandel in Unternehmen.

Menschen können anders als Roboter kreativ, innovativ, intuitiv und emotional sein. Genau diese zutiefst menschlichen Soft-Skills sind in Zukunft entscheidend für den Unternehmenserfolg. Ohne sie geht es auch in der digitalisierten Welt nicht. Im Gegenteil! Sie machen den Unterschied, der erst den Erfolg sichert. Mehr denn je sind deshalb menschliche und menschenwürdig gestaltete Beziehungen auch im Arbeitsleben die Essenz des Unternehmenserfolgs. Sie fördern das Selbstwertgefühl und damit die Entfaltung dieser ausschließlich menschlichen Fähigkeiten, wie sie kein Roboter jemals haben wird.

Mehr denn je brauchen Unternehmen deshalb Mitarbeiter und Führungskräfte, die beziehungsfähig sind, die menschliche Nähe zeigen können, die einen wertschätzenden Dialog führen können, die den Mitarbeitern und Kollegen zeigen und sagen können, dass sie wichtig und wertvoll sind. Das tut ihnen gut und sie werden gerne ihre Energie und Kraft in das Unternehmen investieren.

So, wie mein oben beschriebener Freund mir gezeigt hat, dass ich für ihn wichtig und wertvoll bin. Das tat gut und ich werde gerne meine Energie in die Pflege dieser Freundschaft investieren.

Vertrauensvolle Beziehungen gestalten zu können, das ist konkret gelebte Menschlichkeit in der Arbeitswelt 4.0., die die Resilienz der gesamten Organisation stärkt.

Denn stärkende soziale Beziehungen sind die wichtigste Ressource für seelische Widerstandskraft und innere Stärke. Eine der ersten Studien mit Ergebnissen hierzu war die 40-jährige Langzeitstudie der amerikanischen Entwicklungspsychologin Emmy Werner. Sie gilt als die Pionierin der Resilienzforschung und untersuchte 1955 knapp 700 Kinder auf der zu Hawai zählenden Insel Kawuai. Dort waren Armut und Alkoholismus allgegenwärtig. Viele Kinder wurden misshandelt, lebten in Armut, litten unter psychisch kranken oder von Alkohol oder Drogen abhängigen Eltern. Bedingungen, die vermuten ließen, dass diese Kinder keine Chance auf ein gutes, existenziell sicheres und unauffälliges Leben haben würden.

Dennoch wurde ein Drittel der Kinder später weder straffällig noch psychisch krank. Sie meisterten ihr Leben erfolgreich, hatten als Erwachsene normale Berufe und führten gesunde Beziehungen. Was war ausschlaggebend dafür? Was hatten diese Kinder, das die anderen Kinder nicht hatten?

Alle hatten wenigstens eine Vertrauensperson, die sie liebte und unterstützte und auf die sie sich verlassen konnten. Dabei war es egal, ob diese Person aus der eigenen Familie kam, oder ob es ein Nachbar, der Priester, ein Lehrer oder sonst eine Person aus dem weiteren Umfeld war. Entscheidend war, dass die Kinder die Erfahrung machten, dass wenigstens ein Mensch an sie glaubte, ihnen half und ihnen etwas zutraute. Das erlaubte ihnen, auch an sich selbst zu glauben und ihr Leben in die Hand zu nehmen – im Gegensatz zu jenen Kindern, die solch eine stärkende Beziehung nie erlebten.

Vergleichbares haben zahlreiche spätere Forschungen zum Thema Resilienz auch für Erwachsene immer wieder bestätigt. Egal ob persönliche oder berufliche Kontexte Gegenstand der Untersuchungen waren.

Immer waren menschliche und vertrauensvolle Beziehungen die wesentliche Quelle der Resilienz!

 

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Julitta Rössler

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Kommen wirklich nur die „Harten in den Garten“?

Resilienz – Eine praktische Lebensphilosophie für Mensch und Natur

© by-studio.fotolia

Krisen, Veränderungen, Umbrüche und Belastungen ohne nachhaltige Beeinträchtigung meistern zu können, im Idealfall daran zu wachsen, daraus zu lernen und Neues zu entwickeln, das nennt man Resilienz oder innere Widerstandskraft. Die Natur ist vorbildlich darin und zeigt uns, was gemeint ist. Sie zwingt auch uns Menschen manchmal dazu, resiliente Strategien zu entwickeln. Dann wenn sie wieder einmal "verrückt spielt" und extreme Naturereignisse uns bedrohen. Strategien, die in einer unsicheren, nicht planbaren und veränderungsintensiven Welt nahezu überall existenzsichernd und beinahe überlebenswichtig geworden sind,...

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Kommen wirklich nur die „Harten in den Garten“?

Resilienz – Eine praktische Lebensphilosophie für Mensch und Natur

© by-studio.fotolia

Krisen, Veränderungen, Umbrüche und Belastungen ohne nachhaltige Beeinträchtigung meistern zu können, im Idealfall daran zu wachsen, daraus zu lernen und Neues zu entwickeln, das nennt man Resilienz oder innere Widerstandskraft. Die Natur ist vorbildlich darin und zeigt uns, was gemeint ist. Sie zwingt auch uns Menschen manchmal dazu, resiliente Strategien zu entwickeln. Dann wenn sie wieder einmal "verrückt spielt" und extreme Naturereignisse uns bedrohen. Strategien, die in einer unsicheren, nicht planbaren und veränderungsintensiven Welt nahezu überall existenzsichernd und beinahe überlebenswichtig geworden sind, nicht nur im Fall der Naturkatastrophe.

Naturkatastrophen, wie derzeit der Hurrikan Irma vor der Küste Floridas, haben eine zerstörerische Wirkung für Mensch und Natur. Die verheerenden Folgen werden glücklicherweise irgendwann wieder überwunden sein. Am Ende entsteht daraus meist Neues. 

Ein paar Beispiele:

Ich war vor vielen Jahren für längere Zeit in Kalifornien. Genau zu einer Zeit, als kurz vorher weite Teile des Yosemite-Nationalparks von einem extremen Waldbrand vernichtet waren. Ein Park-Ranger erklärte mir, dass dieses Ereignis auch positive Seiten hat. Die Natur könne sich dadurch neu entfalten. Pflanzen könnten nachwachsen, die vorher kaum eine Chance gehabt hätten, sich im vorhandenen Dickicht zu entwickeln.

Einige Jahre später war ich erneut dort und konnte bestaunen, wie tatsächlich eine wunderschöne neue Pflanzenwelt entstanden war. Nichts erinnerte mehr an die verkohlten und scheinbar toten Flächen. Die Natur hatte sich flexibel angepasst und weiterentwickelt.

Auch die Menschen entwickeln neue Strategien nach verheerenden Katastrophen und lernen daran. Schwere Erdbeben waren beispielsweise Anlass für die Entwicklung neuer Bautechniken. In durch Erbeben gefährdeten Zonen, wird die Statik der Häuser inzwischen so geplant, dass sie flexibel schwanken und sich unter den Erschütterungen eines Bebens dynamisch bewegen können. So, dass sie nicht zusammenzubrechen.

Für drohende Katastrophen haben Menschen kluge Maßnahmenpläne entwickelt, um im Vorfeld kontrolliert beispielsweise Evakuierungsmaßnahmen durchführen zu können. Wie zurzeit auch gerade in Florida. Dadurch kann Schaden am Leben der Menschen in den betroffenen Regionen weitgehend abgewendet werden.

Dies sind nur wenige exemplarische Beispiele aus der Natur, die gut zeigen, worum es auch bei Resilienz geht. Krisen, Veränderungen, Umbrüche und Belastungen ohne nachhaltige Beeinträchtigung meistern zu können, im Idealfall daran zu wachsen, daraus zu lernen und Neues zu entwickeln, das nennt man Resilienz oder innere Widerstandskraft.

Egal, ob für den Einzelnen oder für ganze Systeme und Organisationen, es geht immer darum, sich flexibel an herausfordernde Erfordernisse anpassen zu können. Anders als der oft zitierte Fels in der Brandung, der sich starr dem Widerstand entgegenstellt.

Resilienz ist damit weit mehr als eine neue Stressmanagementtechnik. Es geht nicht um ein weiteres Tool zum optimierten Management von Zeit, Stress, Krisen, ... Resilienz basiert auf inneren Haltungen und Einstellungen, die Flexibilität, Innovationskraft und Kreativität hervorbringen. 

In einer Welt voller Unwägbarkeiten und hoher Veränderungsdynamik braucht es die Bereitschaft und Kompetenz jedes Einzelnen, sich mit den wechselnden Anforderungen dynamisch weiterzuentwickeln. Dafür gibt es keine stabilen Verhaltensregeln, die mit ein wenig Selbstdisziplin in einem 8-Wochen-Kurs abschließend erlernbar sind. Die Annahme, dass ein Verhalten „A“ kausal eine Reaktion „B“ nach sich zieht, ist nicht zielführend in der heutigen Welt.

Jeder, der Resilienz als Methode betrachtet, verkennt die Komplexität und die beeindruckende Tiefe des Resilienz-Konzeptes. Es ist kein neuer „Psycho-Hipe“, sondern ein ernst zu nehmender Erklärungsansatz für brennende Fragen der aktuellen und zukünftigen Welt. Resilienz ist Veränderungsmanagement, Krisenkompetenz und Ausgangspunkt für freigeistige persönliche Entwicklung. Und damit weit mehr als herkömmliche Methoden des Stressmanagements. Es ist eine praktische Lebensphilosophie, die in einen lebenslänglichen Entwicklungsprozess mündet.

Die Gründung neuer Resilienz-Forschungszentren bestätigen die Bedeutung dieses Ansatzes. Nennen möchte ich hier das

Deutsche Resilienz Zentrum der Universität Mainz: https://www.drz.uni-mainz.de

und das

Stockholm Resilience Centre: http://www.stockholmresilience.org .

Das Zentrum in Mainz forscht zur individuellen Resilienz und entwickelt den Präventionsgedanken aus dem Blickwinkel der Resilienz weiter. In Stockholm steht die Stärkung der Resilienz unseres Lebensraumes im Zentrum der Betrachtung. Zwei völlig unterschiedliche Ansätze, die zeigen, wie umfassend bedeutsam das Thema Resilienz ist.

Resilienz ist eine junge Forschungsdisziplin und steckt noch „in den Kinderschuhen“. In Zukunft sind hierzu zahlreiche spannende Erkenntnisse zu erwarten mit wichtigen Impulsen für die praktische Arbeit auch in Coaching, Training und in der Organisationsentwicklung.

Resilienz kann aus meiner Sicht einen wesentlichen Beitrag für einen gesellschaftlichen Kulturwandel leisten. Einen Wandel hin zu einer Kultur, die dem Menschen dient.

Das aus der Darwin’schen Lehre abgeleitete häufig genannte Motto „Nur die Harten kommen in den Garten“ trifft es nicht. Die Natur hat es längst wiederlegt und auch Darwin hat es sicher nicht so gemeint. Gemeint sind die, die sich immer wieder flexibel anpassen und verändern können. Sie konnten und können in der Menscheitsgeschichte überleben. Trotz großer Herausforderungen und widriger Lebensumstände. Die, die über eine ausgeprägte Resilienz verfügen. Wirklich neu ist das Thema also gar nicht.

Weitere Informationen: Julitta Rössler

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Kulturwandel durch Genügsamkeit

Die Kunst eines zufriedenen und guten Lebens

© Julitta Rössler

Manchmal träume ich vor mich hin.

Darüber, wie wir anders leben und arbeiten können. Darüber, wie ein kultureller Wandel aussehen könnte. So, dass wir zufrieden und lebendig leben können.

Denn, wenn ich durch die Straßen gehe und in die vielen ernsten, beinahe leblosen und gestressten Gesichter sehe, denke ich: So, wie wir es zurzeit machen, funktioniert es nicht. Auch wenn ich die Geschichten meiner Klienten von Überforderung und Frustration Revue passieren lasse, merke ich, dass der Traum vom zufriedenen Leben doch viel zu oft leider nur ein Traum ist.

Das macht mich traurig, manchmal zornig, auf jeden Fall...

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Kulturwandel durch Genügsamkeit

Die Kunst eines zufriedenen und guten Lebens

© Julitta Rössler

Manchmal träume ich vor mich hin.

Darüber, wie wir anders leben und arbeiten können. Darüber, wie ein kultureller Wandel aussehen könnte. So, dass wir zufrieden und lebendig leben können.

Denn, wenn ich durch die Straßen gehe und in die vielen ernsten, beinahe leblosen und gestressten Gesichter sehe, denke ich: So, wie wir es zurzeit machen, funktioniert es nicht. Auch wenn ich die Geschichten meiner Klienten von Überforderung und Frustration Revue passieren lasse, merke ich, dass der Traum vom zufriedenen Leben doch viel zu oft leider nur ein Traum ist.

Das macht mich traurig, manchmal zornig, auf jeden Fall nachdenklich. Und dann fange ich an, darüber zu sinnieren wie es anders gehen kann. Der Schlüssel liegt, wie meist, bei uns selbst.

Vielleicht so?

Wenn wir weniger besitzen wollen und stattdessen mehr wir selbst sein und uns entfalten wollen?

Dann wären wir nicht abhängig von Jobs, die uns nicht guttun oder nicht zu uns passen. Wir müssten nicht Karriere machen und immer mehr Geld verdienen. Wir könnten möglicherweise tun, was wir gerne tun. Wir hätten weniger „Müssen“ und stattdessen mehr “Können“ in unserem Leben.

Alles, was wir besitzen ist obendrein vergänglich. Besser wir klammern nicht daran fest, sondern betrachten es als Leihgabe mit ungewissem Rückgabedatum.

Reichtum kann durch die nächste globale Finanzkrise von heute auf morgen vernichtet sein. Der vermeintlich sichere Job kann im Zuge der nächsten Umstrukturierungsmaßnahme wegrationalisiert sein. Das eigene Unternehmen kann in eine Insolvenz geraten. Eine schwere und lebensbedrohliche Krankheit kann uns von heute auf morgen arbeitsunfähig machen. Das teure Auto vor der Tür kann bei einem Unfall einen Totalschaden haben. Ein Unwetter kann unser Haus zerstören. ... Und was bleibt, wenn wir uns ausschließlich auf die Mehrung unseres Lebensstandards konzentriert haben?

Wenn wir das Leben und seine Herausforderungen öfters einfach nehmen würden wie es ist?

Dann könnten wir aufhören zu jammern und zu hadern. Dann würden wir uns weniger ärgern. Dann hätten wir weniger Konflikte und Streit. Dann wären wir versöhnlicher und würden uns nicht länger als hilfloses Opfer fühlen. Das sind wir nämlich nicht. Es gibt überall Einflussmöglichkeiten. Mal mehr, mal weniger. Unsere innere Haltung zu den Aufgaben des Lebens, gibt uns immer die Möglichkeit, eine Situation zu unserem Wohl zu beeinflussen. Ich nenne es „das Gesicht, das wir zu allem aufsetzen“. Darüber entscheiden nur wir selbst. Und es hat eine große Bedeutung für unsere Zufriedenheit.

Und ganz ehrlich: Wirklich Sorgen können wir uns machen, wenn wir die Kündigung erhalten, unser Lebenspartner sich von uns trennt, wir eine Krebsdiagnose erhalten, ... Nicht aber, wenn der neue Kollege schwierig ist, unser Kind „nur“ ein durchschnittliches Abitur macht, der Stau jeden Morgen länger wird, ... Wirkliche Probleme haben wir nur sehr wenige. Vielleicht nehmen wir auch hier eine demütige Haltung an. Eine Haltung, die in den Fokus rückt, dass wir in einem freien Land leben dürfen, nicht Hunger leiden müssen, ein Dach über dem Kopf haben, nicht frieren müssen, frei unsere Meinung sagen können, zwischen unzählig Möglichkeiten wählen können, Freizeit haben, ...

Es gäbe schlechtere Plätze auf dieser Welt. Ich meine, wir können dankbar sein für Vieles.

Wenn wir aufhören, uns allzu schnell Sorgen zu machen?

Denn Sorgen sind erst einmal nur Gedanken. Wir können uns auch für andere Gedanken entscheiden. Unsere Gedanken sind frei. Nichts spricht dagegen, dass wir uns für zuversichtliche Gedanken und mögliche Lösungen entscheiden. Nur sehr wenige Situationen sind mit ein wenig Abstand betrachtet wirklich so bedrohlich, wie wir in dem Moment unserer Sorge glauben. Die Fokussierung unserer Gedanken ist vielfach zu eng. So eng, dass die fast immer vorhandenen positiven Aspekte einer Situation nicht mehr wahrgenommen werden. Die Gesamtmenge der für Erfolg, Glück, Zufriedenheit, ... maßgeblichen Faktoren wird auf einen oder wenige momentan aus dem Lot geratene Aspekte reduziert. Mit ein wenig Abstand betrachtet, ist die Bedeutung dieser Einzelfaktoren relativ zur Gesamtsituation meist eher gering.

Ein Kollege sagte einmal sehr treffend: „Vom Mond aus betrachtet ist alles halb so schlimm!“

Wenn wir aufhören, alle Entscheidungen und Ergebnisse an Effizienzkriterien, Profitmaximierung und Kostensenkung auszurichten?

Dann könnte eine menschenwürdige Arbeitswelt entstehen. Eine Arbeitswelt für loyale, begeisterte, engagierte, kreative und leistungsfähige Mitarbeiter. Sie sind Garant für langfristigen wirtschaftlichen Erfolg. Sie sichern den Shareholder Value. Es würde sich auszahlen, in den Faktor Mensch zu investieren. Kosten, insbesondere Personalkosten, maximal zu senken, um kurzfristig den Profit und Shareholder Value zu steigern, ist dagegen wirtschaftlich betrachtet ein großer Fehler. Spätestens, wenn keine weiteren Einsparmöglichkeiten mehr existieren und „das letzte Tafelsilber“ verkauft ist, werden die fatalen Folgen einer ausschließlich an monetären Größen orientierten Unternehmensführung deutlich. Dann nämlich, wenn die Mitarbeiter jegliche Begeisterung für ihre Arbeit und ihre Loyalität für das Unternehmen darüber verloren haben. Beispiele dafür gibt es genug.

Wenn wir nicht die Verhältnisse, die Natur und unseren Lebensraum, an unsere unkontrolliert wachsenden Bedürfnisse und Wünsche anpassen, sondern umgekehrt unsere Wünsche und Bedürfnisse an sie anpassen?

Das wäre eine demütige und dankbare Lebenshaltung. Das wäre vielleicht der Schlüssel für unser Überleben! Das wäre eine Haltung, die uns am Ende vielleicht zufrieden, lebendig und glücklich sein lässt. Für ein Leben, in dem es nicht um Status und materielle Dinge geht, sondern um achtsames und verantwortliches Miteinander und die freie Entfaltung jedes einzelnen Menschen.

Ähnliche Gedanken finden sich bereits in den Empfehlungen der Lebensphilosophie der Stoa. Die Stoa hat ihren Ursprung im vierten Jahrhundert vor Christus in Athen und findet einen zweiten Höhepunkt im zweiten Jahrhundert nach Christus In Rom. Berühmte Vertreter sind u. a. Marc Aurel, Epiktet und Seneca. Auch sie empfahlen, sich vom Äußeren zu lösen, sich auf das eigene Innenleben und die inneren Einstellungen zu besinnen. Erkennen und zu akzeptieren, was außerhalb der eigenen Macht steht, gehört dazu. Äußere Dinge sind nicht schlecht. Schlecht ist nur die falsche innere Einstellung dazu. Sie nämlich für wichtig zu erachten. Es kommt darauf an, innerlich unabhängig von den Dingen zu sein. Das schließt nicht aus, daran Freude zu haben. Genügsamkeit als Glück bringende Haltung ist Kern der stoischen Philosophie. Eine Haltung die uns allen, besonders auch manchem Unternehmenslenker gut zu Gesicht stehen würde.

Diese Lebensphilosophie hat aus meiner Sicht starke Bezüge auch zum Resilienz-Konzept. Auch hier geht es um Haltungen und Einstellungen für ein gelingendes Leben. Auch im Resilienz-Konzept spielt der Prozess des Annehmens, Akzeptierens und der Selbstverantwortung eine zentrale Rolle. Es geht darum, Negatives so in das Leben zu integrieren, dass es Anlass für die eigene Verbesserung sein kann. Denn an den Wechselläufen des Lebens können wir uns entwickeln, verändern und wachsen. Ein gereiftes und innerlich starkes Selbst ist die Basis für ein zufriedenes und reiches Leben. Reich an Erfahrungen und daraus erwachsener Lebendigkeit und Stärke. Das ist der zentrale Gedanke im Resilienz-Konzept.

Ein Leben, in dem sich jeder mit seinen ganz individuellen Eigenarten und Kompetenzen einbringen und voll entfalten kann, wäre für mich ein gutes Leben. Ein Leben, in dem es nicht vorrangig um materielle Dinge und Status geht, sondern um Selbstentwicklung, Freiheit und intensive Erfahrungen verbunden mit ausreichend Zeit, sich auch der Muße hinzugeben. Ganz ohne schlechtes Gewissen.

Vielleicht kann es so gehen?

Wenn wir uns wieder vermehrt für vielfältige Erkenntnisse aus unterschiedlichen Wissenschaften interessieren, besonders der Philosophie?

Wenn wir die Erkenntnisse daraus beispielsweise in allen Lebensbereichen, auch in der Wirtschaft, nutzen, um eine Kultur zu schaffen, die Vielfalt, Kreativität und lustvolle Entfaltung fördert? Eine Kultur und Wirtschaft, in der weniger Wollen und Brauchen und stattdessen mehr inneres Wachstum und persönliche Entwicklung möglich ist. Eine Kultur und Wirtschaft, in der der Mensch ganz einfach Mensch sein kann. In der er ein gesundes Wechselspiel von Müßiggang sowie von vielfältigen und seine Entfaltung fördernden Erfahrungen machen kann. Eine Kultur und Wirtschaft für ein zufriedenes und lebendiges Leben.

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ISO-Norm für Resilienz

Braucht Resilienz einen normierten Rahmen?

© Colours-Pic - fotolia

Im März 2017 wurde von der Internationalen Organisation für Normung ISO eine Norm zu organisationaler Resilienz veröffentlicht. Die „ISO 22316 Security and resilience – Organizational resilience – Principles and attributes“. Sie gibt Richtlinien zur Entwicklung von Resilienz für Organisationen vor.

Passt eine Norm für organisationale Resilienz in die vielzitierte VUCA-Welt? Passt eine Norm zum Grundgedanken des Resilienz-Konzeptes? Ich sage klar „Nein“!

Der Kerngedanke des Resilienz-Konzeptes ist Flexibilität. Es geht um Veränderungs- und Krisenmanagement durch flexible Anpassung an sich ständig wandelnde...

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ISO-Norm für Resilienz

Braucht Resilienz einen normierten Rahmen?

© Colours-Pic - fotolia

Im März 2017 wurde von der Internationalen Organisation für Normung ISO eine Norm zu organisationaler Resilienz veröffentlicht. Die „ISO 22316 Security and resilience – Organizational resilience – Principles and attributes“. Sie gibt Richtlinien zur Entwicklung von Resilienz für Organisationen vor.

Passt eine Norm für organisationale Resilienz in die vielzitierte VUCA-Welt? Passt eine Norm zum Grundgedanken des Resilienz-Konzeptes? Ich sage klar „Nein“!

Der Kerngedanke des Resilienz-Konzeptes ist Flexibilität. Es geht um Veränderungs- und Krisenmanagement durch flexible Anpassung an sich ständig wandelnde Kontextbedingungen. Anpassungen mit dem Ziel von Entwicklung und Wachstum. Dabei geht es um einen Prozess, der kein planbares Endziel hat. Die Entwicklung flexibler Unternehmens- und Führungsstrukturen und die Gestaltung kulturellen Wandels sind Kernaufgaben dieses Prozesses.

Die äußeren Rahmenbedingungen wandeln sich permanent und in immer schnellerem Tempo. Niemand weiß heute, wie der organisationale Kontext morgen aussehen wird. Organisationen sind lebendige Systeme, die nur dann flexibel, agil und damit erfolgreich sein können, wenn sie sich frei, dynamisch und immer wieder neu selbst erfinden können. Digitalisierung, Globalisierung, Agilität und gesellschaftlicher Wandel verbunden mit den zugehörigen Unsicherheiten brauchen kein starres Korsett. Ganz im Gegenteil!

Die Bewältigung der Herausforderungen in der VUCA-Welt lässt sich nicht normieren. Es braucht Freigeist, Mut, Risikobereitschaft sowie vertrauensvoll und eigenverantwortlich agierende Gemeinschaften. Natürlich braucht es dennoch einen Halt und Struktur gebenden Rahmen und Regeln. Der Rahmen und die Spielregeln müssen aber fast täglich neu und frei von starren Vorgaben entworfen werden. Sie müssen Spielraum für Individualität lassen.

Auf der personalen Seite geht es um persönliches Wachstum hin zu einer reifen Ich-Entwicklungsstufe. Menschen auf einer späten Stufe der Ich-Entwicklung haben Fähigkeiten, die Kernkompetenzen der Zukunft und der Resilienz sind. Dazu zählt die Fähigkeit zu multiperspektivischem und komplexem Denken und zur innovativen und kreativen Ideenfindung. Und die Fähigkeit zu Improvisation sowie zu selbstverantwortlichem Handeln. Ganz wesentlich gehört dazu auch die Fähigkeit zur Gestaltung guter Beziehungen.

Das sind die unverzichtbaren Soft-Skills der Zukunft!

Keine Organisation der Welt wird sich ohne die in ihr arbeitenden Menschen zukunftsfähig entwickeln können. Eine Perspektive, die ausschließlich die organisationale Seite in den Blick nimmt, ist zu kurz gedacht.

Hinter den immer wieder neu ins Leben gerufenen Normen und Standards vermute ich persönlich ein profitables Geschäftsmodell. Anbieter von Zertifizierungs- und Qualifizierungsmaßnahmen werden mit weiteren und teuren Angeboten den Markt überfluten.

Ich lehne diese Entwicklung ab und überzeuge anstatt mit dem x-ten Zertifizierungssiegel lieber mit Kompetenz, Erfahrung sowie meiner Leidenschaft für das Thema Resilienz.

Normen halte ich nicht für zeitgemäß!

 

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Wieviel Kindergarten verträgt die Business-Welt?

Hört endlich auf zu spielen!

©Doris Oberfrank-List - fotolia

Es gibt Gespräche, die nachwirken. Gespräche, die Gedanken anstoßen. Gestern hatte ich wieder so eines. Eigentlich war es ein Klagegespräch. Ein Klagegespräch über unsere zunehmend schwieriger werdende Arbeit als externer Berater und als Coach. Schwieriger, weil die Kundenseite sich grundlegend verändert hat. Und damit waren wir auf einmal in einer Diskussion über den Wandel in den Unternehmen.

Es ging um den Wandel hin zu mehr Flexibilität, agilen Strukturen, Auflösung von Hierarchien, neuen Führungskonzepten, zunehmenden Freiheitsgraden, Digitalisierung, ... Es ging um Merkmale der Arbeitswelt 4.0.

Wievi...

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Wieviel Kindergarten verträgt die Business-Welt?

Hört endlich auf zu spielen!

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Es gibt Gespräche, die nachwirken. Gespräche, die Gedanken anstoßen. Gestern hatte ich wieder so eines. Eigentlich war es ein Klagegespräch. Ein Klagegespräch über unsere zunehmend schwieriger werdende Arbeit als externer Berater und als Coach. Schwieriger, weil die Kundenseite sich grundlegend verändert hat. Und damit waren wir auf einmal in einer Diskussion über den Wandel in den Unternehmen.

Es ging um den Wandel hin zu mehr Flexibilität, agilen Strukturen, Auflösung von Hierarchien, neuen Führungskonzepten, zunehmenden Freiheitsgraden, Digitalisierung, ... Es ging um Merkmale der Arbeitswelt 4.0.

Wieviel Agilität, Dynamik, Freiheit, Strukturlosigkeit und Führungslosigkeit verträgt diese neue Arbeitswelt? Für mich ist eine Grenze des Sinnvollen erreicht! Mein Empfinden: nicht nur Führungsstrukturen werden flacher, auch der Grad an Intellektualität wird flacher. Geistiger Tiefgang und Kompetenz mutieren zu Fremdwörtern. Verlässlichkeit, Orientierung und Struktur haben Seltenheitswert.

Neue Formate des Austausches sollen stattdessen Freigeist und Kreativität fördern.

Strukturierte Meetings und kompetente Moderation sind out. Es lebe das Barcamp und das World-Café. Anspruchsvolle Trainings und Seminare sind Schnee von gestern. Es lebe das kostenfreie halbstündige Webinar. Intensive Beratungs- und Coaching-Gespräche von Angesicht zu Angesicht kosten zu viel Zeit. Es lebe der Austausch per Skype. Ich vermute bald ist Coaching per WhatsApp der Hipe. Führungskräfte mit Charisma, gutem Gespür für ein gesundes Wechselspiel zwischen Lenkung und Eigenverantwortung und ausgeprägter Sozial- und Fachkompetenz sind Mangelware. Es lebe die Selbstregulation und das freie Spiel der Kräfte ...

Alles dem freien Spiel der Kräfte zu überlassen, erinnert mich  an die Methoden der antiautoritären Erziehung. Das hat auch nicht geklappt! Neue Formate des Austauschs haben Ähnlichkeit mit Stuhlkreisen im Kindergarten nach dem Prinzip „Wir haben uns alle ganz lieb und jeder darf hier jetzt mal in die Mitte und was sagen!“. Die Gestaltung der Arbeitsräume erinnert mich an das Bälle-Paradies für Kinder bei IKEA.  

Freigeist und Kreativität sind tatsächlich Schlüsselkompetenzen für Erfolg. Freigeist ist gekennzeichnet durch ein hohes Maß an Intellektualität, geistigen Tiefgang, Offenheit und Reife. Kreativität braucht Zeit. Auch einmal Rückzug. Kreativität ist im Kern strukturiert und alles andere als chaotisch.

Dafür braucht es einen Rahmen, eine Struktur, die freiheitlich geprägt und dennoch organisiert und begrenzend ist. So, wie Menschen Sinn, Eigenverantwortung und Freiheit, aber auch fördernde Lenkung und Orientierung brauchen. Es braucht Zeit zum konzentrierten Nachdenken und Zeit für eine gute Gesprächskultur.

Gerade weil die Arbeits- und Unternehmenswelt 4.0 so unsicher, fragil, flexibel und veränderungsintensiv ist, ist im Innen Struktur, Verlässlichkeit und Lenkung wichtig. Damit meine ich nicht die Rückkehr zu autoritären Führungskonzepten. Nein, direktive Führung von oben ist von gestern und passt nicht mehr. Führung mit Weitblick im Kurzlebigen, Führung mit Dynamik und dabei Verlässlichkeit, Führung auf Augenhöhe und dabei Richtung gebend sowie Führung mit Rückgrat und Charisma ist zeitgemäß. Führung immer im Wechselspiel zwischen Nähe und Distanz sowie zwischen Improvisation und Struktur! Führung, die erwachsene Reife hat! Dafür braucht es wahre Freigeister. Das sind die Helden der Moderne!

Dann können die Mitarbeiter sich zu reifen, erwachsenen und kreativen Persönlichkeiten entfalten. Dann entstehen Spitzenleistungen.   

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Auszeiten – Nährboden für wohltuende Veränderung

Vom Wert des Loslassens

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Es ist halb zehn Uhr morgens an einem Donnerstag. Ich sitze noch beim Frühstück, werde gleich in aller Ruhe ein paar Zeitungen lesen, überlege mir dann, was ich heute wirklich gerne machen möchte, wen ich treffen möchte, genieße noch ein wenig den Ausblick auf meiner kleinen Terrasse, ...

So oder ähnlich beginnen meine Tage momentan. Ich habe mich für eine vierwöchige Auszeit entschieden. Eine Auszeit zuhause auf Balkonien. Eine Auszeit von allem Alltäglichen und von allem, was mit meiner Arbeit zu tun hat. Eine Auszeit für mehr Kreativität. Eine Auszeit, in der ich mir lediglich täglich vier bis fünf Stunden...

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Auszeiten – Nährboden für wohltuende Veränderung

Vom Wert des Loslassens

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Es ist halb zehn Uhr morgens an einem Donnerstag. Ich sitze noch beim Frühstück, werde gleich in aller Ruhe ein paar Zeitungen lesen, überlege mir dann, was ich heute wirklich gerne machen möchte, wen ich treffen möchte, genieße noch ein wenig den Ausblick auf meiner kleinen Terrasse, ...

So oder ähnlich beginnen meine Tage momentan. Ich habe mich für eine vierwöchige Auszeit entschieden. Eine Auszeit zuhause auf Balkonien. Eine Auszeit von allem Alltäglichen und von allem, was mit meiner Arbeit zu tun hat. Eine Auszeit für mehr Kreativität. Eine Auszeit, in der ich mir lediglich täglich vier bis fünf Stunden kreative Schreibzeit verordne. Zeit, um das Manuskript für mein nächstes Buch fertigzustellen.

Dabei habe ich mich zur Mail-Abstinenz entschieden. Ich schaue lediglich einmal wöchentlich in meinen Posteingang und entscheide, was so wichtig ist, dass ich es sofort beantworten will. Vorab habe ich 90% meiner Newsletter-Abos abbestellt. Herrlich!

Ich schaue nur ab und zu mal ins Internet und in meine Social-Media-Accounts. Wenn, dann nur kurz und zielgerichtet, ohne mich in geistlosen Bullshit-Meldungen zu verlieren.

Meinen Kalender habe ich in dieser Zeit frei gehalten von jeglichen im voraus geplanten Terminen und Verabredungen. Ich lebe meine Tage spontan und ungeplant.

Nach knapp der Hälfte dieser Zeit stelle ich Veränderungen fest. Veränderungen, die mich nachdenklich machen. Veränderungen, die ich mir bewahren will.

Ich bin wieder in der Lage mit absoluter Konzentration lange Texte zu lesen, ohne gedanklich abzuschweifen. Mein Informationsstand hat wieder Tiefgang.

Ich schlafe, wie ein Baby, ohne wach zu werden. Es scheint nichts mehr zu geben, was mich so sehr beschäftigt, dass es mich nachts um den Schlaf bringen könnte.

Ich mache Dinge, die ich sonst nicht mache und erlebe die Tage intensiv. Beim aufmerksamen Bummel durch diverse Stadtviertel entdecke ich viele Orte der Inspiration: kleine Galerien, interessante Buchläden, nette Straßen-Cafés und kleine Restaurants, schöne Plätze zum Verweilen, ... Orte, an denen ich bisher oft vorbeigegangen bin.

Ich merke, dass ich wieder Kreativität entwickele. Mir kommen Ideen in den Sinn und ich entwickle neue Perspektiven auch für meine berufliche Entwicklung. Ich spüre wieder große Lust auf Vieles und erlebe mich lebendig und energievoll.

Auf einmal habe ich wieder, wie früher immer, ein Skizzenbuch und einen Zeichenstift in meiner Handtasche. Wenn ich irgendwo auf einer Bank sitze oder in einem Café halte ich meine Eindrücke in kleinen Skizzen fest. Meine Künstlerseele, die so lange nicht mehr gelebt hat, weil vermeintlich so viele andere Themen wichtiger waren, erwacht wieder.

Ich schreibe mein Buch mit unerwarteter Leichtigkeit und merke, dass mein Schreibstil locker wird. Die Gedanken zu den Buchinhalten fließen.

Es macht Spaß, wieder persönlich zu kommunizieren anstatt miteinander zu texten. Ich erlebe wunderschöne ganz reale Zeiten mit Menschen, die mir wichtig sind. Ich gehe erwartungsfrei mit ihnen um. Kein Plan, kein Druck, kein Müssen, ... nur miteinander sein.

Mein Fazit in der Halbzeit:

Eine zeitlich begrenzte Auszeit des Loslassens ist eine wohltuende und energiestiftende Zeit, die kreative Potenziale freisetzt. Eine Zeit, die vieles vom alltäglichen Wahnsinn relativiert und zu Veränderung inspiriert.

Loslassen von Allem klärt den Geist.

Loslassen bringt innere Ruhe.

Loslassen ist emotional.

Loslassen bringt neue Qualität in zwischenmenschliche Verbindungen.

Loslassen macht lebendig.

Loslassen macht die eigene Selbstwirksamkeit spürbar.

Loslassen macht frei von äußeren Erwartungen.

Loslassen macht stark und verändert!

 

Loslassen von Allem braucht keinen Ortswechsel und keine Ablenkung. Im Gegenteil! 

Und noch etwas: Jeder kann das für sich realisieren, wenn er wirklich will! Es müssen ja nicht gleich vier Wochen sein.

 

Weitere Informationen: Julitta Rössler

mail@remove-this.julitta-roessler.de

 

 

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Professionelles Coaching - Ein leichtfüßiger Tanz

Was hat Tango tanzen mit Coaching zu tun?

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Gestern Abend in Düsseldorf. Ein lauer Sommerabend. Auf dem Johannes-Rau-Platz treffen sich Paare zum freien Tango tanzen. Jeder kann einfach auf den Platz gehen und mitmachen. Es gibt kein Programm, keinen Moderator, keinen Tanzlehrer, ... Nur die Lust zu tanzen ist treibende Kraft, sich unter die tanzenden Paare zu mischen.

Irgendwo hat jemand eine Musikanlage aufgestellt und lässt die Töne südamerikanischer Tangomusik erklingen. Als ob es keine passendere Musik zu so einem schwülwarmen Sommerabend in der Stadt geben könnte. Die letzten Sonnenstrahlen tauchen die Szenerie in ein sommerlich warmes Licht. Alle, die...

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Professionelles Coaching - Ein leichtfüßiger Tanz

Was hat Tango tanzen mit Coaching zu tun?

©pavlogatilov-fotolia

Gestern Abend in Düsseldorf. Ein lauer Sommerabend. Auf dem Johannes-Rau-Platz treffen sich Paare zum freien Tango tanzen. Jeder kann einfach auf den Platz gehen und mitmachen. Es gibt kein Programm, keinen Moderator, keinen Tanzlehrer, ... Nur die Lust zu tanzen ist treibende Kraft, sich unter die tanzenden Paare zu mischen.

Irgendwo hat jemand eine Musikanlage aufgestellt und lässt die Töne südamerikanischer Tangomusik erklingen. Als ob es keine passendere Musik zu so einem schwülwarmen Sommerabend in der Stadt geben könnte. Die letzten Sonnenstrahlen tauchen die Szenerie in ein sommerlich warmes Licht. Alle, die Tanzenden ebenso wie die Zuschauenden, scheinen in diese wunderschöne, ein wenig laszive und knisternd erotische Stimmung des Abends einzutauchen. Die Emotionalität gerade des Tango-Tanzes liegt förmlich in der Luft.

Die Tanzenden bewegen sich mit Leichtigkeit über den öffentlichen Platz. Manche können Tango tanzen wie Profis, andere wiederrum sind noch am Anfang ihres Könnens. Alles ist richtig, niemand lacht und niemand braucht Angst zu haben, sich zu blamieren. Jeder kann sich im Rahmen seines Könnens und seiner Lust und Freude am Tango tanzen darauf einlassen und den Abend zu einem besonderen Abend werden lassen.

Oft sind es diese besonderen und unter die Haut gehenden Momente des Lebens, die mich im Nachhinein für Neues in meiner Arbeit als Coach inspirieren. Manchmal geben sie mir auch einfach den Impuls zu einer bildhaften Beschreibung für das, was meine Arbeit als professioneller Coach ausmacht. So auch gestern.

Auf dem Nachhauseweg ging mir plötzlich ein Gespräch durch den Kopf, dass ich vergangene Woche mit einem Kollegen geführt habe. Wir sprachen darüber, was Coaching von Beratung unterscheidet und was das Besondere im Coaching ist. Er sagte, dass gutes Coaching tänzerisch leicht ist, wie ein „echter“ Tanz. Mir hat dieses Bild sehr gefallen und wohl deshalb kam es mir gestern Abend plötzlich wieder in den Kopf.

Ja, Coaching ist wie ein geschmeidiger Tanz. Wie beim Tanzen braucht professionelles Coaching Erfahrung, Übung sowie methodisches und psychologisches Können und Wissen. Eine Portion Leidenschaft für Menschen und die Fähigkeit zu Empathie ist unverzichtbar. Nur damit gelingt es, den Coachee tief in seinem Innern zu berühren und Reflexionsprozesse bei ihm anzustoßen.

Wie beim Tanzen auch, übernimmt der Coach die Führung, ohne direktiv zu sein. Er lenkt den Prozess fast unbemerkt. So, dass der Coachee sich voller Vertrauen darauf, wie auf einen wundervollen Tanzpartner, einlassen kann. Der Coach lenkt durch die Rhythmen der Themen, Anliegen und Ziele des Coachees. Niemals drängt oder bevormundet er ihn mit seinen Vorstellungen davon, wie aus seiner Erfahrung ein Ergebnis, die Figur des Tanzes, aussehen sollte. Seine eigenen Ideen, Impulse und Möglichkeiten bietet er dem Coachee lediglich als Reflexionsimpuls an. Er überlässt dem Coachee die Entscheidung, ob er sie annehmen will. Denn, der Coachee ist der Experte für sein eigenes Leben. Nur er kann wissen, was für ihn möglich ist und sich gut anfühlt. So überlässt der Coach ihm die letztliche Auswahl der nächsten Schritte, ohne dabei die Führung aufzugeben. Es entsteht ein aufeinander eingespieltes und gut miteinander verschmolzenes rundes Ganzes. Frei von Hierarchie, aber dennoch mit Führung, aber partnerschaftlich und auf Augenhöhe. Eben wie im Tanz.

Der Coach inspiriert, stärkt und ermutigt, neue Denk- und Handlungsmuster auszuprobieren. Mit tänzerischer Leichtigkeit bietet er neue Perspektiven - neue Schrittkombinationen - an und lenkt einfühlsam dorthin. Empathisch nimmt er wahr, ob der Coachee sich auf seine nächsten Schritte einlassen will oder nicht. Er schafft den Raum, in dem sich der Coachee angstfrei neu ausprobieren kann, ohne sich dabei blamieren zu können. So, wie die tanzenden Paare in Düsseldorf gestern Abend.  Sie konnten sich sicher sein, dass sie nicht zum Gespött der Zuschauer werden, wenn ihnen Schritte nicht sofort gut gelingen. Immer wieder neu übernimmt der Coach die Führung sanft und für den Coachee unbemerkt. Und doch lässt er ihm zu jedem Zeitpunkt die Freiheit, mitzugehen oder auch nicht. Die Ziele und Anliegen des Coachees sind entscheidend. So wie es einem guten Tänzer in der Führungsrolle darum geht, den Tanzpartner in passender und berührender Weise zu lenken. Immer vermeidend, sich auf die Füße zu treten.

Anders als vielfach beim Tanzen entsteht im Coaching zwar eine tiefe persönliche Verbindung, nie aber eine intime emotionale Beziehung. Und doch hat auch Coaching etwas von der beim Tanz spürbaren emotionalen Tiefe und Nähe. Nur auf einer anderen, eben professionellen Ebene. Wie ein tanzendes Paar werden die Beteiligten im Verlauf eines guten Coachings vertraut miteinander, kommen sich nah und sind immer mehr aufeinander eingespielt. Der Coach weiß die Signale seines Gegenübers unmittelbar zu deuten. Immer aber mit der nötigen persönlichen Distanz. Es ist ein tänzerisches Spiel, im Idealfall leicht, hoch emotional und berührend wie ein Tangotanz. Immer aber professionell distanziert. So, wie bei „echten“ Profitänzern.

Ganz besonders im Resilienz-Coaching greift für mich das Bild des Tanzes als bildhafter Vergleich. Gerade die schweren, belastenden, manchmal schicksalhaft aus der Bahn werfenden, in jedem Fall aber besonders herausfordernden Themen, um die es im Rahmen von Resilienz-Coaching geht, brauchen den leichten und spielerischen Gegenpol. Widerstandskraft und innere Stärke aufzubauen, bedeutet für mich als Coach immer, dem Schweren im Leben wieder Leichtigkeit zu geben. Es bedeutet, Zutrauen in die eigenen Chancen und Möglichkeiten zu ermöglichen. Eben einen neuen und leichteren Tanz auszuprobieren, manchmal vielleicht mit einem neuen Tanzpartner sprich Chef, Arbeitgeber, Lebenspartner ...

Weitere Informationen: Julitta Rössler

mail@julitta-roessler.de

 

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Das Leben als Fotoausstellung

Visualisierung eines idealen Lebens

©Marc-Remo-fotolia    

Letzte Woche habe ich die Fotoausstellung "Mythos Tour de France" besucht. Zu sehen waren über 120 beeindruckende Bilder von Menschen rund um die Tour und von den Sportlern selbst. 20 internationale Fotokünstler haben Fotos aus mehr als 80 Jahren Tour-Historie präsentiert. Gezeigt wurden die Fahrer, die Pisten, die Landschaften, die Fans am Rande, die Menschen der Orte, durch die die Tour verläuft, ... In meinem Kopf entstanden Geschichten und Bilder von Menschen abseits des offiziellen Spektakels, Geschichten vom Leiden der Fahrer, Geschichten vom prallen Leben der nach Vergnügen suchenden Menschen am Rande,...

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Das Leben als Fotoausstellung

Visualisierung eines idealen Lebens

©Marc-Remo-fotolia    

Letzte Woche habe ich die Fotoausstellung "Mythos Tour de France" besucht. Zu sehen waren über 120 beeindruckende Bilder von Menschen rund um die Tour und von den Sportlern selbst. 20 internationale Fotokünstler haben Fotos aus mehr als 80 Jahren Tour-Historie präsentiert. Gezeigt wurden die Fahrer, die Pisten, die Landschaften, die Fans am Rande, die Menschen der Orte, durch die die Tour verläuft, ... In meinem Kopf entstanden Geschichten und Bilder von Menschen abseits des offiziellen Spektakels, Geschichten vom Leiden der Fahrer, Geschichten vom prallen Leben der nach Vergnügen suchenden Menschen am Rande, Geschichten von Kommerz und Ruhm, Geschichten von Sieg und Niederlage, ...

Beim Betrachten von Kunst, können solche fantasievollen Geschichten entstehen. Deshalb mag ich Kunst. Indem ich die Werke betrachte, werde ich Teilhaber von Biografien, von gelebtem Leben und von Geschehnissen, die nicht meine eigenen sind. Das inspiriert und lässt in andere Welten abtauchen, wie bei der Lektüre eines guten Romans. Es wirft Fragen auf und schärft zuweilen auch den kritischen Blick auf das eigene Leben. Deshalb sehe ich eine wunderbare Verbindung zwischen Kunst und Coaching und gehe immer häufiger mit meinen Klienten ins Museum oder in Galerien. Letztlich geht es im Coaching darum, einen neuen Blick auf dasselbe zu entwickeln. Das Betrachten von Fotos, Skulpturen und Gemälden kann Fenster öffnen und einen anderen Blick auf sich selbst, andere und die Welt eröffnen.

Der Besuch der Ausstellung zur Tour de France hat mich zu einem neuen Ansatz der Selbstreflexion mit meinen Klienten inspiriert. Im Coaching geht es häufig darum, Visionen eines idealen, stimmigen, passenden, guten, erfolgreichen, ... Lebens zu entwerfen. Die Unterschiede zum aktuellen Leben zu erforschen, ist nicht immer angenehm, meist aber erhellend und ermutigend. Der vor allen Dingen emotionale Soll- Ist-Abgleich eröffnet unter professioneller Coaching-Begleitung neue Perspektiven und Zutrauen in die eigenen Möglichkeiten. Er ermöglicht ein „Hin-zu-Denken“ oder eine „Ich-kann-Haltung“ anstatt der häufig vorherrschenden „Weg-von-Haltung“ oder der „Ich-muss-Haltung“. Denn: „Wenn du es dir vorstellen kannst, kannst du es auch machen.“ (Walt Disney).

Es ist hilfreich, dafür das eigene Leben einmal vom Ende her zu betrachten. Wie wäre der Rückblick auf mein Leben, wenn ich alles immer weiter unverändert so machen würde wie jetzt? Wäre das in Ordnung? Wie würde sich das dann anfühlen?

Angenommen, am Ende Ihres Lebens würde für die Nachwelt eine Dauerausstellung mit Fotos, Videos, Audio-Aufnahmen Ihrer Gespräche sowie mit Zitaten aus Ihrem Leben organisiert. Was würde den Besucher dort erwarten? Wären vielleicht zu 80% Werke aus dem Arbeitsleben zu sehen und nur zu 20% aus Ihrem Privatleben? Wären die Werke vielleicht obendrein eher düster und würden von Unzufriedenheit und Frustration erzählen. Wären die Bilder und Zeugnisse von Ihrem glücklichen Lebensanteilen, die Werke von schönen Stunden, von Aktivitäten, bei denen Sie sich durch und durch lebendig gefühlt haben, die Dokumente von den Lebensstunden mit den Menschen, die Sie lieben und deren Nähe Sie genießen möchten, ... ein verschwindend kleiner Anteil am Ende der Ausstellung? Womöglich in einem unscheinbaren Nebenraum? Die Gespräche und die Zitate, sind das die Reden eines jammernden Pessimisten oder eher die eines gestaltenden und eigenverantwortlichen zufriedenen erwachsenen Menschen?

Wie geht es Ihnen in Ihrer eigenen Ausstellung? Finden Sie sich wieder, so wie Sie gerne wären? Angenommen, Sie könnten die Ausstellung neu organisieren, so, dass ein Kassenschlager und ein Publikumsmagnet daraus wird. So, dass ein spannendes und zufriedenes Leben bestaunt werden kann. Wie sähe die Ausstellung dann aus? Was müssen, wollen, können Sie in Ihrem Leben verändern, damit die Ausstellung Ihres Lebens Sie und ein erfülltes gelebtes Leben von Ihnen widerspiegelt. Ein Leben, dass andere möglicherweise inspirieren kann, es Ihnen nachzutun? Wer wären Sie gerne, wenn sich Ihre Nachwelt ein Bild von Ihnen macht anhand der Ausstellung?

Coaching ist eine Kunst und Kunst schafft einen inspirierenden Mehrwert für professionelles Coaching. Wenn Sie sich davon überzeugen wollen, sollten wir zusammenkommen.

Weitere Informationen: Julitta Rössler

mail@julitta-roessler.de

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Sinnerleben als Konsequenz eigenverantwortlichen Handelns - veröffentlicht auf business-wissen.de am 01.08.2017

Kann Arbeit Sinn stiften?

©Thomas-Reimer-fotolia    

Gute Gespräche inspirieren und wirken nach. Gerade gestern hatte ich so ein Gespräch. Ein einziger Satz meines Gegenübers hat viel Nachdenken in mir ausgelöst: „Das Gefühl von Sinn ist die Konsequenz eigenen Handelns!“ Stimmt! Und das zu erreichen, ist kein entspannter Spaziergang, sondern möglicherweise ziemlich harte Arbeit. Sinn und Glück, zwei inzwischen inflationär benutzte Begriffe für eine Wunschvorstellung vom Leben, ganz besonders vom Arbeitsleben. Ja, Arbeit, die sinnhaft ist, die verstehbar ist, die machbar ist und die im Einklang mit den inneren Überzeugungen ist, kann zuweilen glücklich machen, weil...

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Sinnerleben als Konsequenz eigenverantwortlichen Handelns - veröffentlicht auf business-wissen.de am 01.08.2017

Kann Arbeit Sinn stiften?

©Thomas-Reimer-fotolia    

Gute Gespräche inspirieren und wirken nach. Gerade gestern hatte ich so ein Gespräch. Ein einziger Satz meines Gegenübers hat viel Nachdenken in mir ausgelöst: „Das Gefühl von Sinn ist die Konsequenz eigenen Handelns!“ Stimmt! Und das zu erreichen, ist kein entspannter Spaziergang, sondern möglicherweise ziemlich harte Arbeit. Sinn und Glück, zwei inzwischen inflationär benutzte Begriffe für eine Wunschvorstellung vom Leben, ganz besonders vom Arbeitsleben. Ja, Arbeit, die sinnhaft ist, die verstehbar ist, die machbar ist und die im Einklang mit den inneren Überzeugungen ist, kann zuweilen glücklich machen, weil tiefes Sinnerleben damit einhergeht. Das ist dann gesunde Arbeit im Sinne von A. Antonovsky. Er hat das Konzept der Salutogenese entwickelt, wonach gesunde Arbeit eine Kohärenz zwischen Sinn, Verstehbarkeit, Machbarkeit und Stimmigkeit braucht. Antonovsky war einer der ersten Forscher, der sich mit der Frage beschäftigte, wie es Menschen schaffen, auch unter widrigen Bedingungen seelisch und körperlich gesund zu bleiben.

Im alltäglichen Frust fallen häufig Sätze wie „Das macht doch alles keinen Sinn mehr!“ oder „Das, was die da oben wieder entschieden haben, hat doch keinen Sinn!“... Hier kommt eine weit verbreitete Opferhaltung gegenüber zum Teil tatsächlich widrigen äußeren Bedingungen zum Ausdruck. Die Verantwortung wird an andere abgegeben. Das ist eine zunächst einfache Lösung, mit unguten Umständen umzugehen. Dem Klagenden ist im allgemeinen Bedauern und Verständnis für sein Leid sicher. Er fühlt sich angenommen und verstanden mit seinem Frust. Sein grundlegend menschliches Bedürfnis nach Anerkennung und Zugehörigkeit wird „gefüttert“. Es ist also allzu verständlich, dass sich eine, wie ich meine, übergroße Kultur des Meckerns, Klagens und Jammerns ausbreitet.

Klagen alleine ist nicht verwerflich und jeder weiß, wie gut es tut, ab und an mal so richtig Dampf abzulassen. Wenn es aber beim Meckern bleibt, wird sich leider nichts zum Besseren ändern können. Und da sind wir wieder bei dem oben zitierten Satz meines Gesprächspartners. Erst, wenn wir selbst die Verantwortung übernehmen und unsere Energie dahin lenken, wo wir Einfluss nehmen können, gibt es eine Chance auf Veränderung, im Idealfall sogar auf Sinn-Erleben. Und Einfluss nehmen und gestalten können wir immer. In der minimalsten Ausprägung können wir entscheiden, welches Gesicht wir zu den Umständen aufsetzen und dadurch unsere Befindlichkeit selbst steuern. Das ist aber tatsächlich die Minimalversion. Meist haben wir weit mehr Möglichkeiten, Selbstverantwortung zu übernehmen und unser Leben zu gestalten, auch im Arbeitsleben. Kein noch so unfähiger Chef kann uns wirklich daran hindern. Im Extremfall bleibt uns die eigenverantwortliche Entscheidung zu kündigen.

Am banalen und alltäglichen Beispiel des Staus auf der Autobahn lässt sich gut erklären, wie groß in scheinbar unbeeinflussbaren Situationen unser Gestaltungsspielraum ist. Anstatt „ins Lenkrad zu beißen“ und die Energie ins Schimpfen zu lenken, könnten wir auch entscheiden, die nächste Ausfahrt zu nehmen, unsere Lieblingsmusik zu hören, entspannende Atemübungen zu machen, ein paar Telefonate zu erledigen, im stehenden Stau ein paar Mails abzuarbeiten, Zeitung zu lesen, die "Lenkradbeißer" um uns herum amüsiert zu beobachten, mit dem Fahrer nebenan zu flirten, ... Das alles kann uns helfen, aus dem Stauerlebnis möglicherweise sogar eine aufheiternde, wohltuende und gar nicht bedauerliche persönliche Auszeit zu machen.

Bevor ich jetzt der Naivität bezichtigt werde und mir vorgeworfen wird, dass ich die Realität des Arbeitslebens nicht zu kennen scheine, wende ich mich der anderen Seite im zum Teil bösen und menschenunwürdigen Spiel des Jobs zu. Ja, in vielen Unternehmen leiden die Mitarbeiter unter widrigen Bedingungen. Sie stehen unter extremem Zeit- und Termindruck. Sie haben zu viel Arbeit. Sie leiden unter Anonymität und fehlender Kollegialität. Sie müssen die Konsequenzen von ausschließlich an Profitmaximierung orientierten Entscheidungen tragen. Sie müssen sich immer neu auf Veränderungen und Umstrukturierungen mit den damit verbundenen existenziellen Ängsten einstellen. ... Die Liste ließe sich fortsetzen. Ganz besonders negativ wirkt laut zahlreichen Studien schlechte Führung.

Was ist damit gemeint?

Jeder Mensch hat hierzulande das Recht Kinder zu bekommen, Auto zu fahren, Kredite aufzunehmen, Häuser zu bauen, frei seine Meinung in gefühlt hunderttausend Social Media Kanälen in die Welt zu pusten, Extrem-Sportarten zu betreiben, seine Gesundheit zu fördern oder zu schädigen, ... Auch diese Liste ließe sich fortsetzen. Für all das trauen wir jedem einzelnen die Fähigkeit zu Verantwortungsübernahme und die nötige Kompetenz zu. In den Unternehmen geht es dagegen häufig zu wie in einem Kindergarten. Die Mitarbeiter fühlen sich von häufig immer noch autoritär agierenden Führungskräften bevormundet. Fehler haben negative Konsequenzen. Ihr Entscheidungs- und Verantwortungsspielraum ist oft sehr gering bei gleichzeitig großer Fehlerverantwortung. Freigeistiges Denken ist nicht erwünscht. Grandios gut klingende Leitsätze einer am Menschen orientierten Unternehmenskultur hängen gut sichtbar im Eingangsbereich. Hinter der Eingangstür geht es meist anders zu. Das ist fatal. Gute Führung braucht Augenhöhe, Vertrauen, Menschlichkeit, Flexibilität zwischen freier Agilität und strukturgebender Ordnung, Selbstkontrolle und Eigenverantwortung für Mitarbeiter, klare und beziehungsförderliche Kommunikation, Fehlertoleranz und die Haltung, an Fehlern lernen zu können, ...


Im Coaching gibt es die sogenannte Wunderfrage „Angenommen über Nacht passiert ein Wunder und morgen, wenn Sie aufwachen, ist alles so, wie es für sie ideal, gut und am besten wäre. Wie wäre das konkret? Was wäre dann anders?“. Meine Wünsche an Führungskräfte für ideale und gute Mitarbeiterführung wären: Gebt den Mitarbeitern endlich was sie brauchen. Entlasst sie in die Selbstverantwortung. Traut ihnen viel zu und fördert sie. Akzeptiert, dass es in jedem Unternehmen menschelt und achtet auf beziehungsförderliche Kommunikation. Lasst die Mitarbeiter Fehler machen und sich ausprobieren, ohne Angst vor Misserfolg. Fördert eine kulturelle Vielfalt und gebt Inspiration für freigeistiges Denken und Handeln. ... Lange Rede kurzer Sinn: Fördert die Entwicklung und das persönliche Wachstum der Mitarbeiter. Gebt ihnen die Chance, Sinn-Erleben in der Arbeit durch eigenverantwortliches Handeln zu erfahren. Das ist der einzige Weg zu nachhaltigem Unternehmenserfolg mit und durch motivierte und gesunde Menschen im Unternehmen.

Veröffentlichung: https://www.business-wissen.de/artikel/selbstverantwortung-sinn-stiften-durch-eigenes-handeln/

Weitere Informationen: Julitta Rössler

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Resilienz durch Selbstführung

Quality Time im Arbeitsleben

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Viele Menschen arbeiten andauernd zu viel. Viel zu arbeiten gilt immer noch als Indikator für Leistungsbereitschaft und Erfolg. Vielfach brüsten sich besonders Führungskräfte stolz, ein tägliches Arbeitspensum von 10 – 12 Stunden zu bewältigen. Sie erwarten dies auch von ihren Mitarbeitern und beklagen eine zunehmend mangelnde Leistungsbereitschaft und Belastbarkeit, insbesondere der Generation Y. Sie kritisieren, dass den jungen Mitarbeitern „nur“ ihre Life-Balance wichtig sei und sie nicht bereit sind, Arbeitszeiten regelmäßig über das vereinbarte Maß hinaus zu akzeptieren.

Gut so! Denn erst eine gesunde...

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Resilienz durch Selbstführung

Quality Time im Arbeitsleben

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Viele Menschen arbeiten andauernd zu viel. Viel zu arbeiten gilt immer noch als Indikator für Leistungsbereitschaft und Erfolg. Vielfach brüsten sich besonders Führungskräfte stolz, ein tägliches Arbeitspensum von 10 – 12 Stunden zu bewältigen. Sie erwarten dies auch von ihren Mitarbeitern und beklagen eine zunehmend mangelnde Leistungsbereitschaft und Belastbarkeit, insbesondere der Generation Y. Sie kritisieren, dass den jungen Mitarbeitern „nur“ ihre Life-Balance wichtig sei und sie nicht bereit sind, Arbeitszeiten regelmäßig über das vereinbarte Maß hinaus zu akzeptieren.

Gut so! Denn erst eine gesunde Distanz zwischen den eigenen Bedürfnissen und den Erwartungen im Arbeitsleben schafft die Basis für gesunden Erfolg und hohe Arbeitsqualität.

In der modernen Arbeitswelt kommt es darauf an, kreativ Ideen zu entwickeln und Innovationen umzusetzen. Vielfältige Perspektiven und komplexe Zusammenhänge müssen schnell und flexibel erfasst, analysiert und kritisch hinterfragt werden. Schwierigkeiten und Probleme sind vorprogrammiert und verlangen nach innovativen Lösungen. Ständige Umbrüche und Veränderungen gehören zum Alltag. Jeder einzelne muss sich immer wieder neu darauf einstellen und anpassen. Das erfordert mentale Kompetenzen, die sich nicht unter Druck und Überlastung einstellen.

Neurowissenschaftliche Forschungen zeigen, dass der menschliche Geist nicht grenzenlos belastbar ist. Wer übermäßig lange arbeitet, ist nicht kreativ, macht vermehrt Fehler, kann sich schlecht konzentrieren und riskiert langfristige psychische oder physische Erkrankungen.  

Es ist gut und förderlich für den Unternehmenserfolg, wenn Menschen leistungsbereit sind, gleichzeitig aber sich selbst als Person mit eigenen Bedürfnissen ernst nehmen. Das ist kompetente Selbstführung, eine Basiskompetenz für Resilienz. Resilienz hat nichts mit Härte gegen sich selbst zu tun. Gemeint ist vielmehr seelische Elastizität. Menschen mit einer ausgeprägten Resilienz können sich flexibel an herausfordernde Anforderungen anpassen und haben ein intaktes seelisches Immunsystem. Dafür braucht es neben dem beruflichen Engagement auch Zeit für persönliche Aktivitäten.

Forschungen zeigen, dass Mitarbeiter, insbesondere Führungskräfte, mit einer ausgeprägten Resilienz, erfolgreicher sind. Was unterscheidet sie von den anderen Menschen? Sie können ihre unterschiedlichen Lebensbereiche, sich selbst als Person und ihre beruflichen Rollen getrennt und mit einer gesunden Distanz wahrnehmen. Sie entscheiden sich bewusst, welchen Bedürfnissen und Erwartungen sie wann und in welchem Umfang Raum geben. Auch unter großem Stress können sie ihre Impulse effektiv und zielorientiert steuern und sich persönlich von Ärger distanzieren. Sie führen sich selbst diszipliniert, sodass sie sich leistungsstark und engagiert den Anforderungen in ihrer beruflichen Rolle widmen, ohne in die Überlastung zu geraten. Dabei hilft Ihnen, dass sie auch anderen Themen und Interessen Raum und Zeit geben. Sie sind neugierig und offen und haben vielfältige Interessen, auch über die beruflichen Themen hinaus. Sie sind aktiv, kommunikativ und pflegen auch außerhalb des Jobs ein soziales Beziehungsnetz. Das alles trägt zu geistiger Flexibilität, Souveränität und Wohlbefinden bei und wirkt sich positiv auf die Arbeitsergebnisse aus. Weniger zu arbeiten bedeutet am Ende, erfolgreicher zu arbeiten.

Eine Arbeitswelt, die aus der Balance geraten ist, schädigt die Gesundheit der Menschen und ihre Leistungsfähigkeit und damit den Unternehmenserfolg. Wandel ist dringend nötig. Wandel hin zu einer neuen Qualität der Arbeit. Eine Qualität geprägt von Lebensqualität und Menschenwürde. Zeit für persönliche Entfaltung auch außerhalb der Arbeitswelt ist dafür unerlässlich. Erst das Wechselspiel zwischen Arbeit und Privatleben schafft einen gesundheits- und leistungsförderlichen Rahmen. Die Freiheiten der flexiblen Arbeitszeitgestaltung sind erst dann vorteilhaft, wenn Platz für arbeitsfremde Themen und Zeiten selbstverständlich wird. Darauf zu achten, ist die Verantwortung jedes Mitarbeiters selbst, aber auch Teil der unternehmerischen Verantwortung. Die Entwicklung und Etablierung Resilienz fördernder Konzepte in der Führungs- und Unternehmenskultur ist Teil dieser Verantwortung und trägt nachhaltig zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und des Unternehmenserfolgs bei.

Es ist nicht mehr zeitgemäß, Menschen als zu minimierenden Kostenfaktor, als Ressource oder als Objekt entgrenzter Leistungsbegierde zu betrachten.

Erst Arbeit, die den Menschen mit seinen vielfältigen Bedürfnissen respektiert und Kraft für arbeitsfremde Themen lässt, ist menschenwürdige Arbeit mit hoher Ergebnisqualität.

Weitere Informationen: Julitta Rössler

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Menschliche Reife als Ziel der Persönlichkeitsentwicklung

Das Ich-Entwicklungs-Profil

Zu Beginn dieses Monats habe ich mich bei Dr. Thomas Binder in Berlin zur Anwendung des Ich-Entwicklungs-Profils™ zertifizieren lassen. Dieses Persönlichkeits-Profil basiert auf intensiver 40-jähriger Forschungsarbeit von Jane Loevinger und bietet faszinierende Möglichkeiten der Persönlichkeitsentwicklung im Rahmen von Coaching- und Beratungsprozessen.

Jane Loevinger konnte in über 40-jähriger Forschungsarbeit empirisch belegen, dass die persönliche Entwicklung des Menschen als Prozess und in neun aufeinanderfolgenden Stufen abläuft. Keine der Stufen kann übersprungen werden. Die Endstufe der persönlichen Entwicklung ist individuell...

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Menschliche Reife als Ziel der Persönlichkeitsentwicklung

Das Ich-Entwicklungs-Profil

Zu Beginn dieses Monats habe ich mich bei Dr. Thomas Binder in Berlin zur Anwendung des Ich-Entwicklungs-Profils™ zertifizieren lassen. Dieses Persönlichkeits-Profil basiert auf intensiver 40-jähriger Forschungsarbeit von Jane Loevinger und bietet faszinierende Möglichkeiten der Persönlichkeitsentwicklung im Rahmen von Coaching- und Beratungsprozessen.

Jane Loevinger konnte in über 40-jähriger Forschungsarbeit empirisch belegen, dass die persönliche Entwicklung des Menschen als Prozess und in neun aufeinanderfolgenden Stufen abläuft. Keine der Stufen kann übersprungen werden. Die Endstufe der persönlichen Entwicklung ist individuell unterschiedlich. Nicht jeder Mensch durchläuft alle neun Stufen. Die Entwicklung der meisten Menschen endet auf einer der mittleren Entwicklungsstufen im Bereich der sogenannten konventionellen Ebene. Das ist absolut wertfrei. Jede Stufe hat ihre eigene Bedeutung und Entwicklungsqualität.

StufennummerEntwicklungsstufeEbenenHäufigkeit in % 
(Erwachsene)
E 2Impulsgesteuerte Stufevor-
konventionell

5 %

E 3Selbstorientierte Stufe
E 4Gemeinschaftsbestimmte Stufekonventionell12 %
E 5Rationalistische Stufe38 %
E 6Eigenbestimmte Stufe30 %
E 7Relativierende Stufepost-
konventionell
10 %
E 8Systemische Stufe4 %
E 9Integrierte Stufe1 %
E 10Fliessende Stufe

 

Die Stufen unterscheiden sich durch eine unterschiedliche Sicht auf sich selbst, auf andere und auf die Welt. Mit jeder weiteren Stufe wird diese Sicht umfassender und differenzierter. Daraus resultiert eine von Stufe zu Stufe verschiedene Handlungs- und Denklogik. Stufe sechs ist die erste voll ausgereifte Stufe eines erwachsenen Ich. Menschen auf dieser Stufe treffen erstmalig Entscheidungen nicht, weil andere es so wollen, sondern weil sie selbst sie für richtig halten. Regeln werden auf ihre Angemessenheit hin überprüft und hinterfragt. Die Fähigkeit zu Selbstreflexion und auch zu Selbstkritik entsteht.

Menschen der konventionellen Stufen vier, fünf und sechs sind sozialisierte und anerkannte Mitglieder der Gesellschaft. Sie akzeptieren den von außen vorgegebenen Rahmen und orientieren ihr Handeln und Denken daran. 

Ab Entwicklungsstufe sieben sehen die Menschen Regeln, Erwartungen und Strukturen als prinzipiell veränderbar und individuell konstruierbar an. An die Stelle des Wunsches nach Ähnlichkeit und Zugehörigkeit zu sozialen Systemen tritt das Bedürfnis nach Einflussnahme und Veränderung. Situationen werden nicht mehr als vorgegeben und statisch gesehen, sondern als beeinflussbar und gestaltbar. Menschen in dieser sogenannten postkonventionellen Ebene können andere und neue Perspektiven einnehmen, in komplexen Zusammenhängen denken und hinterfragen sich selbst und andere. Sie können die Andersartigkeit anderer Menschen akzeptieren und haben ein starkes Bedürfnis, sich weiter zu entwickeln. Fehler, Umbrüche und Veränderungsnotwendigkeiten sehen sie als Anlass für Lernen, nicht als Bedrohung.

Menschen auf dieser Ebene erreichen einen hohen Grad an persönlicher Freiheit und übernehmen Selbstverantwortung. Sie agieren strategisch, agil und autonom.

Arbeit 4.0 braucht die Reife, Haltung und Flexibilität im Denken und Handeln wie sie Menschen mit einem Reifegrad jenseits der konventionellen Ebene haben. 

Tools und Techniken, wie sie in klassischen Weiterbildungsformaten vermittelt werden, sind dafür wenig hilfreich.

Die Anwendung des Ich-Entwicklungs-Profils™ im Rahmen eines individuellen Beratungs- und Coachingprozesses ist ein dagegen hervorragender Ansatz in der Führungskräfte- und Mitarbeiterentwicklung, um Persönlichkeitsentwicklung zukunftsorientiert hin zu Reife und Agilität zu fördern.

Sind Sie neugierig geworden? Möchten Sie Ihr Mitarbeiter und Führungskräfte hin zu Reife und zukunftsfähiger Handlungskompetenz entwickeln? Dann sollten wir uns kennenlernen. 

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Vortrag am 28.04.2017 in Husum

Resilienz – Ressourcenorientiertes Ziel im Coaching

Am vergangenen Freitag durfte ich im Auftrag des größten internationalen Coachingverbandes (ICF International Coachfederation) in Husum einen Vortrag zum Thema Resilienz-Coaching halten. Es war ein toller Abend. Vielen Dank für die...

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Vortrag am 28.04.2017 in Husum

Resilienz – Ressourcenorientiertes Ziel im Coaching

Am vergangenen Freitag durfte ich im Auftrag des größten internationalen Coachingverbandes (ICF International Coachfederation) in Husum einen Vortrag zum Thema Resilienz-Coaching halten. Es war ein toller Abend. Vielen Dank für die Einladung und die perfekte Organisation durch Friederike Frey, zertifizierter Coach und Chapterhost des ICF in Nordfriesland.

Vielen Dank auch an die zahlreichen Teilnehmer(innen). Nie wieder werde ich behaupten, dass die „Nordlichter“ dröge, wortkarg, unzugänglich oder gar unnahbar sind. Nein, an diesem Abend bin ich eines Besseren belehrt worden! Wortkargheit ist etwas Anderes. Es gab viele bereichernde und von großer Professionalität geprägte Beiträge und Fragen aus dem Publikum. Und das Ganze noch gewürzt mit einer Portion Leichtigkeit und Humor. So macht ein Vortrag richtig Spaß 

Danke auch für das wohltuende und sehr positive Feedback. Die teilweise sehr persönlichen und äußerst wertschätzenden Rückmeldungen machen mich stolz. Das sind die Momente, wo ich Sinn in meiner Arbeit erlebe. Was gibt es Schöneres?

Schön zu hören war, dass Resilienz auch im Norden Deutschlands eine wachsende Bedeutung hat. Weiterbildungsinstitute räumen dem Thema eine hohe Priorität ein und suchen Spezialisten dafür. Unternehmen erkennen die Bedeutung des Themas für betriebswirtschaftlichen Erfolg. Resilienz ist bereits als individuelle Maßnahme der Verhaltensprävention etabliert. Zunehmend mehr spielt Resilienz aber auch als Maßnahme der Verhältnisprävention im Rahmen von Organisationsentwicklungsmaßnahmen eine Rolle.

Aus den Diskussionsbeiträgen und in den Gesprächen im Anschluss an den Vortrag konnte ich erfahren, dass der Markt für selbständig tätige Coaches in Nordfriesland anders ist als bei mir zuhause im Rheinland. Offenbar gibt es in dieser Region noch viele Vorbehalte und eine große Skepsis Coaching gegenüber. Mein Respekt für alle Kollegen und Kolleginnen, die in diesem Umfeld Ihr Geschäft erfolgreich gestalten.

Ich freue mich über neue Kontakte und Verbindungen in diese Region. Danke auch für die kulinarischen Tipps und für die Hinweise zu tollen Ausflugszielen für meine beiden angehängten Urlaubstage. Nix von Verschlossenheit. Ich habe Offenheit und Gastfreundschaft erlebt. Und ich habe wohltuende Entschleunigung in vielfältiger schöner Natur genossen. Einfach toll!

Ach ja, ich habe auf der Hamburger Hallig das beste Lamm-Stew meines Lebens gegessen! Und man glaubt es kaum, die „Nordlichter“ haben auch richtig guten Wein anzubieten.

Ich komme gerne wieder.

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MEIN LESERBRIEF IN REPORTPSYCHOLOGIE – AUSGABE 03/2017

Blick zurück auf bereits gut bewältigte Krisen hilft

Die Basis der Förderung von Resilienz-Kompetenzen beim Einzelnen ist ein positiver Blick auf sich selbst.  Ein hohes Selbstwertgefühl ist wichtig für die Stärkung von Widerstandskraft. Ich empfehle, Fähigkeiten, Eigenschaften, Eigenarten etc. zu reflektieren, die man an sich selbst mag.

Der Blick zurück auf bereits gut bewältigte Krisen, Herausforderungen und Probleme lohnt ebenfalls. Was war der eigene Anteil, welche Ressourcen habe ich genutzt? Diese Erkenntnisse stärken das Selbstbewusstsein und fördern das Gefühl von Selbstwirksamkeit.

Auch der Blick auf die ungeliebten Anteile zählt zum aktiven Selbstwertaufbau. Diese Anteile gilt es...

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MEIN LESERBRIEF IN REPORTPSYCHOLOGIE – AUSGABE 03/2017

Blick zurück auf bereits gut bewältigte Krisen hilft

Die Basis der Förderung von Resilienz-Kompetenzen beim Einzelnen ist ein positiver Blick auf sich selbst.  Ein hohes Selbstwertgefühl ist wichtig für die Stärkung von Widerstandskraft. Ich empfehle, Fähigkeiten, Eigenschaften, Eigenarten etc. zu reflektieren, die man an sich selbst mag.

Der Blick zurück auf bereits gut bewältigte Krisen, Herausforderungen und Probleme lohnt ebenfalls. Was war der eigene Anteil, welche Ressourcen habe ich genutzt? Diese Erkenntnisse stärken das Selbstbewusstsein und fördern das Gefühl von Selbstwirksamkeit.

Auch der Blick auf die ungeliebten Anteile zählt zum aktiven Selbstwertaufbau. Diese Anteile gilt es versöhnlich anzunehmen und als zu uns zugehörig zu akzeptieren. Auch das stärkt das Selbstwertgefühl.

Menschen mit einem positiven Selbstbild fühlen sich nicht als Opfer ungünstiger Bedingungen, sondern glauben an ihre Gestaltungsmöglichkeiten auch in der Krise. Gesunde Selbstliebe ist Schutzfaktor Nummer eins für psychische Gesundheit unter hoher Belastung.

Auf der Ebene des Individuums ist das Resilienz-Konzept ein sinnvoller und valider erforschter Ansatz zur Verhaltensprävention.

Resilienz ist aber auch Thema der Organisationsentwicklung. Ziel ist die Gestaltung von Kulturwandel in Unternehmen. Dabei geht es um Verhältnisprävention, also um Veränderung von belastenden äußeren Rahmenbedingungen.

Resilienz ist persönliches und organisationales Veränderungsmanagement in Reinform und damit eine Kernkompetenz der Zukunft.

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HANDELN, GESTALTEN, SELBSTVERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN

Darum ist Resilienz eine Kernkompetenz der Zukunft

Meerbusch – Resilienz wird häufig auf eine Form des individuellen Stress- und Krisenmanagements reduziert. Dabei bietet das Resilienz-Konzept weit mehr: Es ist eine Kernkompetenz der Zukunft für klaren, sicheren und eigenverantwortlichen...

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HANDELN, GESTALTEN, SELBSTVERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN

Darum ist Resilienz eine Kernkompetenz der Zukunft

Meerbusch – Resilienz wird häufig auf eine Form des individuellen Stress- und Krisenmanagements reduziert. Dabei bietet das Resilienz-Konzept weit mehr: Es ist eine Kernkompetenz der Zukunft für klaren, sicheren und eigenverantwortlichen Umgang mit jeglicher Form von Veränderungsnotwendigkeit – egal ob privat oder geschäftlich.

Ein wichtiger Aspekt des Resilienz-Konzeptes ist die Übernahme von Selbstverantwortung. Das setzt Klarheit voraus, Klarheit über Bedürfnisse und Werte im Privaten, über geschäftliche Notwendigkeiten. Klarheit auch über die mit Entscheidungen verbundenen Konsequenzen. Klarheit über den Preis, der zu zahlen ist und die Bereitschaft, ihn zu zahlen oder auch nicht. Klarheit über die möglichen Chancen und deren Nutzen. Am Ende braucht es Mut zu tun, was auf Basis dieser Klarheit richtig und notwendig ist, auch gegen Widerstände von außen. Das ist dann Stärke, wie sie im Resilienz-Konzept gemeint ist. Das ist Stärke, die Entwicklung und Wachstum möglich macht.

Selbstverantwortung heißt, die vorhandenen Entscheidungs- und Gestaltungsspielräume nutzen und sich auf den eigenen Einflussbereich konzentrieren, anstatt über äußere Verhältnisse zu klagen. Und Gestaltungs- und Entscheidungsspielräume gibt es immer. Es geht im Resilienz-Konzept um eine realistische Haltung zu den Dingen. Die schließt ein, zu erkennen, dass es zwischen der äußeren Realität und der eigenen Reaktion darauf einen Spielraum gibt, den wir eigenverantwortlich gestalten können. So verstanden, bedeutet Selbstverantwortung, sich für mögliche Veränderung zu entscheiden anstatt gegen Unabänderliches zu kämpfen.

Das bedeutet, genau hinsehen, spüren und ergründen, auch wenn es vielleicht unangenehm ist. Manchmal ist der Preis für Entscheidungen, dass Andere verletzt oder ihnen sogar existenzielle Risiken zugemutet werden müssen. Eine Trennung nach langjähriger Partnerschaft geht selten ohne Verletzungen von statten. Wirtschaftlich notwendige Kündigungen von Mitarbeitern bedeuten existenzielle Unsicherheit für sie.

Auch das gehört zur Übernahme von Selbstverantwortung, auszuhalten, dass Veränderung unangenehme Folgen für Andere hat. Selbstverantwortung gibt es nicht als „Wattebausch“. Wer nur darauf bedacht ist, Anderen nicht zu schaden, schadet am Ende sich selbst. Er lebt die Bedürfnisse Anderer und nicht seine eigenen. Ausharren in einer längst nicht mehr glücklichen Partnerschaft bedeutet Gefahr für die psychische Gesundheit. Das „Mitschleifen“ von Mitarbeitern, die dem notwendigen Leistungsprinzip in einem Unternehmen nicht genügen können, bedeutet wirtschaftlichen Schaden für das Unternehmen und damit existenzielle Bedrohung für alle Mitarbeiter.

Resilienz ist weit mehr als Stress- und Krisenmanagement. Resilienz ist tiefe Selbstreflexion, um unter schwierigen Rahmenbedingungen selbstverantwortlich ins Handeln zu kommen und Veränderung zu gestalten.

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RESILIENZ – DER INNOVATIONSMOTOR

Visionär denken, kreativ Ideen entwickeln

Wenn Unternehmen in Deutschland in der digitalen Zukunft erfolgreich sein wollen, ist Erfindergeist, Risikobereitschaft, Kreativität und starkes Selbstvertrauen bei Mitarbeitern und Führungskräften gefragt. Resilienz schafft innere Stärke...

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RESILIENZ – DER INNOVATIONSMOTOR

Visionär denken, kreativ Ideen entwickeln

Wenn Unternehmen in Deutschland in der digitalen Zukunft erfolgreich sein wollen, ist Erfindergeist, Risikobereitschaft, Kreativität und starkes Selbstvertrauen bei Mitarbeitern und Führungskräften gefragt. Resilienz schafft innere Stärke und Widerstandsfähigkeit von Menschen gegenüber Krisen, Schwierigkeiten, Belastungen und Anforderungen jeglicher Art. Maßnahmen zum Aufbau von Resilienz bedeuten demzufolge Kompetenzaufbau für das Unternehmen als Gesamtsystem. Sie dienen dem erfolgreichen Umgang mit dem hohen Innovationsdruck in der digitalen Welt, und sie sind wichtige Voraussetzung für nachhaltigen Unternehmenserfolg unter herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Längst wandern kreative Köpfe aus in andere Länder. Das Silicon Valley in Kalifornien ist ein Beispiel. Dort leben inzwischen mehr als 50.000 Deutsche, die ihre kreativen Geschäftsideen zuhause nicht verwirklichen konnten. Ihr Wunsch nach Freiheit, Experimentierfreudigkeit, ihre Neugier und ihre Sicht auf Scheitern als Chance findet hierzulande nicht den geeigneten Verwirklichungsrahmen. Im Silicon Valley dagegen finden sie das Umfeld, das sie suchen und brauchen.

In Deutschland ist dagegen immer noch eine an Defiziten orientierte Denkkultur etabliert. Angst vor Fehlern aufgrund zu befürchtender negativer Konsequenzen ersticken gute Ideen im Keim. Killerphrasen wie „Das haben wir immer schon so gemacht. Warum sollen wir daran etwas ändern!“ oder „Dafür haben wir kein Geld!“ oder „Das ist viel zu riskant!“ und ähnliche Denkmuster lähmen Innovationskraft.

Für einen Wandel braucht es Kompetenzen bei den Mitarbeitern und Führungskräften, wie sie auch im Resilienz-Konzept zu finden sind. Dazu zählen eine  optimistische Weltsicht, Lösungsorientierung, visionäres Denken, Beziehungskompetenz, Übernahme von Selbstverantwortung und nicht zu Letzt die Wurzel von Resilienz, ein stabiles, starkes und positives Selbstbild.

Mitarbeiter mit ausgeprägter Resilienz können selbstbewusst und selbstsicher für ihre Ideen eintreten. Sie wissen um ihre Möglichkeit, wirksam Einfluss nehmen und gestalten zu können. Sie übernehmen Verantwortung für den Unternehmenserfolg.

Mitarbeiter, die sich vom Problem weg und hin zur Lösung orientieren können und die kreativ und frei von Angst vor Fehlern visionär Ideen entfalten, sind innovativ und tragen zur Entwicklung technischen Fortschritts bei.

Auch im digitalen Zeitalter wird es weiter menscheln, vielleicht sogar mehr als je zuvor. Die Herausforderungen der Zukunft können nur miteinander bewältigt werden. Gefragt sind Mitarbeiter und Führungskräfte, die über Empathiefähigkeit, Beziehungsfähigkeit und Kommunikationskompetenz verfügen, alles entscheidende Resilienz-Kompetenzen.

Die Faktoren für Resilienz beinhalten auch eine zuversichtliche und am Gelingen orientierte positive Grundhaltung. Im Fokus der Mitarbeiter und Führungskräfte mit hoher Resilienz- Kompetenz sind Chancen, Möglichkeiten und Erfolge. Das schafft eine Kultur der Begeisterungsfähigkeit, der Offenheit für Neues und der Freude am Gelingen. Als Ergebnis entstehen Sinngebung und Verstehen, das Fundament für Leistungsbereitschaft.

Nicht zuletzt bedeutet Resilienz-Kompetenz auch, eigene Belastungsgrenzen zu erkennen und zu achten. Mitarbeiter, die sich derart selbst steuern und die kompetenten Signale ihres Körpers frühzeitig wahrnehmen können, sind seltener krank und fallen seltener langfristig aus. Gesunde Mitarbeiter sind ein wesentlicher betriebswirtschaftlicher Erfolgsfaktor. Auch hier profitiert das gesamte Unternehmen von der Resilienz-Kompetenz der Mitarbeiter.

Mitarbeiter und Führungskräfte, die über eine hohe Resilienz-Kompetenz verfügen, sind Impulsgeber für technische Entwicklung und Innovation im Unternehmen. Resilienz ist deshalb ein wichtiges Thema auch der Organisationsentwicklung hin zu einer zukunftsfähigen und den Erfolg sichernden Unternehmenskultur. Das setzt ein Umdenken voraus und erfordert parallel zur individuellen Förderung auch die Entwicklung und Förderung von Resilienz stärkenden Unternehmens-und Führungsstrukturen, eben einen kulturellen Unternehmensumbau.

Es lohnt sich, in Resilienz zu investieren.

Weitere Informationen: mail@remove-this.julitta-roessler.de

 

 

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